ich-schreibe
ich-schreibe
Ich schreibe
45 posts
Hey, ich weiß nicht wie es in deinem Kopf aussieht, aber meiner ist ziemlich voll. Manchmal glaub ich, dass in meinen Kopf ein ganzes Universum reinpassen würde, und das spielt manchmal verrückt. Manchmal kommen mir Dinge in den Kopf, einfach so, die gar nicht existieren. Ich denke an Menschen, die ich nicht kenne und fange an neue Geschichten zu kreieren. Diese Geschichte ist die erste, die ich aufgeschrieben habe. Dieser Blog ist nur für diese Geschichte, und ich würde mich freuen, wenn du sie liest. Ich bin 17 Jahre alt, mehr verrate ich nicht, denn ich will anonym bleiben. Manche denken, dass es ''Opfer'' ist eine Geschichte zu schreiben, vor allem als Jugendlicher, aber sowas ist überhaupt nicht Opfer, und wenn du das findest, dann solltest du diesen Blog ganz schnell verlassen. Ich bin einfach jemand der einen vollen Kopf hat und die Zeit beim schreiben vergisst. Über Feedback und Fragen freue ich mich natürlich sehr. Wenn du bestimmte Kapitel suchst dann schau einfach im Archiv nach. Ganz viel Liebe an meine Leser! Copyright © by ich-schreibe
Don't wanna be here? Send us removal request.
ich-schreibe · 10 years ago
Link
Bella (augustbuch) - Wattpad
So ihr Liebe, es tut mir leid, dass so lange nichts mehr von mir kam. Ich war irgendwie ziemlich faul, aber auch beschäftigt. Mittlerweile sind allerdings schon wieder einige Kapitel in der Fortsetzung von 'Melia - das versteckte Mädchen' draußen. Ich hab euch hier nochmal mein Wattpad Profil verlinkt, wenn ihr also interesse habt zu lesen, würde ich mich sehr freuen. Genauso, wie ich mich über Feedback freuen würde. Schreibt mir einfach! :) Wenn ihr noch auf Gedichte steht, dann geht einfach auf mein 'Gedichtbuch', was auch auf meinem Profil ist. Auf mein neues Gedicht bin ich besonders stolz! Viel Spaß beim Lesen, ich hoffe es gefällt euch ;) en, 
0 notes
ich-schreibe · 11 years ago
Link
Melia - Die Frage nach dem Wir drama erwachsenwerden freundschaft jugend liebes liebesgeschichte
TADAAA: Das erste Kapitel der Fortsetzung von 'Melia - das versteckte Mädchen' ist endlich online. Viel spaß beim Lesen! :) 
1 note · View note
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Folgendes:
Meine Lieben, ich habe in den letzten Tagen und Nächten die Geschichte noch einmal gelesen und gleichzeit Fehler korrigiert. Da ich die Vorzüge von Wattpad entdeckt habe, werde ich die angesprochene Fortsetzung nicht hier posten, sondern bei Wattpad. Aber damit die Leser dort nicht in Verwirrung geraten, weil es ja eine Fortsetzung ist, poste ich den ersten, mittlerweile korrigierten Teil dort auch nochmal. Das dauert allerdings nicht lange, weil ich schon alle 40 Kapitel rüber kopiert habe und sie nur noch veröffentlichen muss. Danach kann ich mich dann endlich der Fortsetzung widmen :) Natürlich lösche ich diesen Block hier nicht. Ich werde weiterhin versuchen, neue Leser zu finden und auch mit ihnen bzw. euch zu schreiben. 
Danke, für die ganzen Kommentare, für die Reblogs und so weiter, ich hab euch alle lieb :) 
Hier mein Wattpad link: http://www.wattpad.com/user/augustbuch
1 note · View note
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Wer ist für eine Fortsetzung? :)
4 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Das letzte Kapitel 40
Von Bier zu Bier, und Kurzen zu Kurzen wurde die Stimmung immer besser und die Tanzfläche immer voller. Ich war noch nie auf einer Hochzeit, außer auf einer Standesamtlichen. Aber auch ich wurde mit der Zeit lockerer, unterhielt mich eine ganze Weile mit Julia, mit Bens Mutter und sogar mit einem Onkel von Ben, der gerade mal 30 war. 
Nachdem Ben das ein oder andere Bier zu viel getrunken hatte, wich er kaum noch von meiner Seite, was mir sogar gefiel. Ich fühlte mich wohl bei ihm und sicher, außerdem genoss ich jede Sekunde in seiner Gegenwart. Er grinste durchgehend, aber auch ich konnte meine Mundwinkel nicht kontrollieren, im Sekundentakt musste ich lachen oder grinsen. 
Nach einer Weile machte sich der Alkohol auch bei mir bemerkbar, ich hatte mich noch voll unter Kontrolle, aber ich hatte alle Hemmungen verloren. Ich tanzte wild und ausgelassen, ließ mich in seine Arme fallen und lachte ununterbrochen. Ich kannte mich gar nicht, aber es gefiel mir. Ben ließ die Rampensau raus und war der Mittelpunkt der Tanzfläche, der Mittelpunkt meines Lebens. Im Takt der Musik ging ich immer einen Schritt auf ihn zu, bis meine Hände seine hielten und wir in der Musik und der Hitze verschmolzen. 
Wir waren mit die letzten, die die Hochzeit verließen. Bens Eltern und Anna waren schon zwei Stunden früher gefahren, Ben und ich saßen mit seinem Onkel im Taxi auf dem Weg zurück. Ich hatte meine Schuhe ausgezogen und meine Beine über Bens Beine gelegt, mein Kopf lehnte an seiner Schulter und unsere Hände waren ineinander verschlungen. Keiner sagte etwas, wir lauschten nur unseren Atem, den leisen Gesprächen des Taxi Fahrers und Bens Onkel und beobachteten, wie die Sonne aufging. Ich wusste nicht wie spät es war, aber es war nicht zu spät, es war genau passend. 
Als ich Bens Zimmertür öffnete, kam mir ein allzu gewohnter Geruch entgegen, gott, hatte ich das vermisst, ich fühlte mich direkt wohl. Draußen sangen die Vögel und Licht fiel durch die Rolläden. Ben kam nach mir ins Zimmer, ich stand vor seinem Bett und er umarmte mich von hinten. Dann küsste er meine Wange, meine Stirn und meinen Hals. Ich genoss es so sehr, seine wärme und seinen Körper zu spüren, und mein Verlangen nach ihm wurde immer stärker. ,,Ich liebe dich" flüsterte er. ,,So sehr." Flüsterte ich zurück. Schnell streifte ich meine Schuhe ab und drehte mich zu Ben um, dann schlang ich meine Arme um seinen Hals und meine Beine um seine Hüfte. Er hielt mich fest und trug mich aufs Bett. Ich drehte mich, Ben lag über mir, meine Beine immer noch um seine Hüfte geschlungen. Langsam öffnete er den Reißverschluss meines Kleides, während ich die Knöpfe seines Hemds öffnete. Sanft zog er mir das Kleid aus und streifte gleichzeitig sein Hemd ab. Als hätte er sein Lebenlang nichts anderes getan, blieben seine Lippen dabei auf meinen und sein Atem konzentrierte sich nur auf mich. Noch nie hatte meine Sehnsucht sich so erfüllt, noch nie hatte ich mich so volllkommen gefühlt. Bens Hände berührten jede Stelle meines Körpers, sie füllten jede Lücke und heilten jeden Schmerz. Meine Hände wanderten über seinen Brustkorb, seinen Rücken, sein Gesicht und seine Arme. Unsere Hände hielten einander fest und seine Lippen liebkosteten meine Brüste. Mein Körper bebte und mein Atem wurde unruhiger. Unsere Körper bewegte sich im Takt, alles war perfekt. Noch nie hatte ich mich vor lauter Gefühlen so Betrunken gefühlt. 
In dieser Nacht schlief ich nicht mit Ben. Es ging nicht um unser körperliches Verlangen, sondern um uns selber. Wir hatten es beide vermisst, den anderen zu spüren und deshalb mussten wir einiges nachholen. Als wir müder wurden legten wir uns dicht aneinander, Ben hatte mich umschlungen und unsere Hände waren ineinander verschlossen. Ich wachte stündlich auf, nur um zu realisieren, ob das alles auch echt war. Und das war es. Ich sah Ben an, und er sah mich an, und plötzlich war all der Schmerz weg, all der Druck und ich hatte das Gefühl, dass nichts und niemand auf der Welt diese Bindung zwischen uns zerstören konnte, denn wir waren echt und wir waren das, von dem ich immer geträumt hatte. Wir waren glücklich. 
Alles war plötzlich verschwommen und ich hatte das Gefühl zu fliegen. Als wäre ich ein Vogel und Ben der Wind. Er hielt mich an beiden Händen fest und drehte mich zur Musik, dann zog er mich an sich. Sein Atem so nah, sein Lächeln so schön. Ich wusste nie was es hieß zu gewinnen. Ich verlor immer nur. Aber jede Berühung seiner Haut, zu spüren, dass er echt war, war ein Sieg für sich. Es war das größte Gefühl, es war ein Feuerwerk in meiner Brust und die Funken sprühten aus meinen Knochen. Das Gefühl seiner Lippen, seiner Hände an meinen Hüften ließ meine Flügel wachsen. In diesem Moment wusste ich, dass ich nie wieder landen würde, und Ben auch nicht. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 39
,,Ähm, ich wollte dich abholen." Sagte Ben jetzt. Er schien etwas verlegen zu sein und suchte nach den passenden Worten. Ich schaute ihn immer noch mit geöffnetem Mund an und brachte kein Wort heraus. Darauf war ich nicht vorbereitet gewesen. ,,Na, du bist doch meine Begleitung. Weißt du noch?" Ich suchte in meinem Kopf nach dem Wort Begleitung. Nichts. ,,Die Hochzeit meiner Cousine?" Jetzt leuchtete es mir ein. Und da sah ich auch schon das Taxi hinter Ben. ,,Naja, die kirchliche Trauung hast du verpasst, aber ich dachte, ich könnte dich ja mit zu der Feier nehmen. Falls du Zeit hast." Er beugte sich nach vorne und wartete ungeduldig auf eine Antwort. Ich schwieg immer noch fassungslos. ,,Meine Cousine würde sich bestimmt freuen." ,,Melia?" Susan steckte ihren Kopf aus der Wohnzimmertür in den Flur, dann sah sie Ben und schien auch für einen kurzen Moment etwas verwirrt. ,,Ähm, ach Hallo Ben." ,,Hallo." Er begrüßte sie freundlich, schaute dann aber wieder mich an. ,,Ich finde du siehst toll aus, aber das ist leider nicht der Dresscode für eine Hochzeit. Also ich hab eigentlich Zeit, aber in einer Stunde sollten wir spätestens losfahren." Er schaute auf seine Uhr, er sagte das ganz gelassen, als wäre gar nichts passiert. ,,Äh.. Ich... Äh..." Ich suchte nach Worten, in meinem Hals hatte sich ein Kloß gebildet und ich konnte nicht klar denken. ,,Susan." Susan kam auf meine Aufforderung direkt und stellte sich hinter mich. Plötzlich kamen mir Emma Wunders Worte wieder in den Sinn. Mach das, was du kannst, solange du es kannst. Es gab niemals eine bessere Gelegenheit, als jetzt. ,,Okay, ich... ich ziehe mich schnell um." Ich sah das Leuchten in Bens Augen und es übertrug sich auf mich. Susan bat Ben rein und rannte mit mir in mein Zimmer, wo ich in Tränen ausbrach. ,,Ganz ruhig, Melia. Ich weiß gerade überhaupt nicht, was mit euch Kindern los ist. Aber ich glaube, dass du das Richtige tust. Jetzt spring schnell in die Dusche, ich such dir in der Zeit was zum anziehen raus, falls ich was finde." 
Susan war die Beste. In der Zeit, in der ich mich geduscht und meine Haare geföhnt hatte, suchte sie ein schönes dunkel blaues Sommerkleid von Jamila raus, welches mir sogar passte. Dazu kombinierte ich eine schlichte Strickjacke von mir, damit man meine Narbe nicht sehen konnte. Susan steckte mir die Haare natürlich hoch, keine Ahnung wo sie das gelernt hatte, während ich mir ein Make-Up verpasste, was nach mir aussah. Nach einer dreiviertel Stunde stand ich fertig vor Ben, mir fielen immer noch die Worte, aber das war mir egal. Ich würde die Fassung schon wieder finden. Auch Ben schienen die Worte zu fehlen, als er mich sah. Er lief an mir vorbei, nahm meine Hand und flüsterte ,,Du bist so schön." Dann verabschiedete er sich von Susan und wir verließen zusammen das Haus. 
Das Taxi stand immer noch vor meiner Haustür, ich fragte mich, wie viel Geld Ben für diese Fahrt bezahlte. Wie ein Gentleman öffnete er mir die Tür und setzte sich dann neben mich. Nach fünf Minuten Schweigen war ich die Erste, die Worte fand. ,,Okay, Ben. Was soll das jetzt eigentlich?" Meine Stimme klang unsicher, und so fühlte ich mich auch. ,,Ich..." Seine Stimme war ganz ruhig, es schien ihm völlig egal zu sein, dass der Taxifahrer zuhörte, er versuchte nur, die richtigen Worte zu finden. ,,Ich war in der Kirche, und irgendwie war meine Laune im Keller. Ich dachte wir würden zusammen dort sein. Aber es ist so viel passiert, ohne dich bin ich nichts. Wir waren kaum in Berlin, und da hab ich mich schon in dich verliebt. Ich kenne Berlin ohne dich eigentlich gar nicht. Deswegen bin ich auch ein Wochenende nach Norwegen geflogen, zu meinen Freunden. Aber nicht mal die konnten es besser machen. Ich muss das hier einfach zuende bringen. Und es hat sich einfach nur richtig angefühlt, sich in dieses Taxi zu setzen, um dich zu holen." Seine Worte berührten mich. Vielleicht war das, was er tat, auch das Richtige. Wir würden es sehen. Ich nahm seine Hand und lächelte ihn an. Er lächelte zurück. 
Die Gaststätte, in der Bens Cousine Julia feierte, war außerhalb von Berlin. Alle Gäste waren schon da und standen in einem netten Garten neben der Gaststätte, beim Sekt Empfang. Ben nahm mich an der Hand und ging mit mir zu Julia und ihrem Mann. Julia freute sich außerordentlich, und auch Bens Mutter, die etwas weiter abseits stand, lächelte mir zu. Dann stellte Julia mich ihrem Mann Christian als ,,Bens Freundin Melia" vor, was mir allerdings erstmal nichts ausmachte. 
Nachdem Ben mich allen wichtigen Personen vorgestellt hatte, gingen wir noch zu seinen Eltern und seiner Schwester. Anna schaute mich etwas grimmig an, sie schien mir immer noch böse zu sein, aber ich ignorierte das und versuchte freundlich zu schauen. Die Situation war mir unangenehm und so richtig hatte ich mich in der Hochzeitsgesellschaft noch nicht eingelebt. 
Die Zeit verging wie im Fluge. Eine ganze Weile stand ich einfach nur neben Ben, ließ mich von allen Seiten anstarren und beobachtete die Leute um mich herum. Die Männer sahen fast alle gleich aus, trugen entweder schwarze Anzüge, dunkelblaue und manche auch dunkelbraune. Die Frauen unterscheideten sich aber ziemlich voneinander. Die Braut trug ein wunderschönes weißes Kleid, es war schlicht aber trotzdem sah sie aus wie eine Prinzessin. Ansonsten gab es lange Kleider, kurze, blaue, grüne, rote, rosa und schwarz. Alle Farben waren vertreten. 
Die Sitzordnung der Gäste war eingeteilt. Ich saß mit Bens Eltern, seiner Schwester und noch ein Paar Leuten an einem Tisch, die Ben mir als seinen Onkel, Tante, kleinen Cousin und Cousine vorstellte. Die beiden waren sechs Jahre alt und Zwillinge. Einerseits war es anstrengend, weil sie in einer Tour redeten, andererseits hielt es mich auch von unangenehmen Fragen, Blicken und Situationen zwischen mir und Bens Familie ab. Das Mädchen hieß Lilli und der Junge Michel. Lilli starrte mich ständige an, ihr Blick hing permanent an meinen Haaren und Ben sagte, sie fände mich hübsch, was ja eigentlich ganz süß war. Michel kommentierte alles, selbst wenn der DJ den nächsten Gang ankündigte, kam ein Kommentar von ihm und er fand alles lustig. Die Portionen der Gänge waren nicht gerade groß, was mich beruhigte, denn ich wollte alles auf essen und nicht irgendwas auf dem Teller liegen lassen. Als Vorspeise gab es Suppe, als Hauptgang irgendeine ausgefallene Nudelkreation mit Lamm und als Nachspeise ein sehr leckeres Eis. 
Nach dem Essen blieben alle vorerst auf ihren Stühlen sitzen und die Freunde und Familie überreichten dem Brautpaar Geschenke. Immer wenn ein Tisch mit dem Geschirr gegen die Gläser klirrte, musste das Brautpaar sich küssen. Ich kannte das nicht, und irgendwie kam es mir erst albern vor, aber wenn man sich das Brautpaar anguckte, war es überhaupt nicht mehr albern. Christian zog Julia dann immer ganz nah an sich heran, und sie legte ihre Hände auf seine Brust, wärend sie sich küssten. Man konnte spüren, dass sie sich liebten, und ich hoffte, dass man auch spüren konnte, dass ich Ben liebte, wenn ich ihn küsste. Plötzlich zuckte ich zusammen, ich hatte Ben heute noch nicht geküsst, und noch waren wir nicht wieder zusammen. Aber trotzdem drehten sich meine Gedanken nur um ihn, als wäre das das selbstverständlichste der Welt. Der Tag bis jetzt war komisch, ich kannte hier niemanden außer Ben, ich hatte die meisten hier noch nie gesehen, und trotzdem fühlte ich mich wohl, wenn ich neben Ben stand. 
Es fühlte sie an wie eine Ewigkeit, als ich auf mein Handy schaute, war es gerade mal halb zehn, wir hatten noch einen langen Abend vor uns. Wir saßen immer noch an unseren Plätzen, die Männer tranken ein Pils nach dem anderen und die Frauen meistens Hugo. Ich war die einzige Frau an unserem Tisch, die auch lieber zum Bier griff, als zum Süßzeug. Irgendwie passierte nichts, alle saßen auf ihren Plätzen und unterhielten sich, Ben und ich schauten uns gelangweilt an, gelegentlich unterhielten wir uns, ansonsten hörten wir den anderen zu. Allerdings träumte ich mehr vor mir her, als irgendwem zuzuhören. Ich fragte mich, wie dieser Abend ausgehen würde, und mit was für einem Gefühl ich nach Hause gehen würde. 
Um kurz nach halb Zehn griff der Bräutigam dann zum Mikro. Er wartete solange, bis alles ruhig war, dann fing er an zu reden und schaute dabei seine Frau an, die überrascht am anderen Ende des Raums stand. ,,So meine Liebe, Julia, jetzt sind wir verheiratet. Du trägst jetzt meinen Nachnamen, das fühlt sich echt schön an." Ein lächeln legte sich auf seine Lippen, und ich musste zugeben, dass sich eine Gänsehaut auf meinen Körper legte. ,,Du kennst mich ja, ich bin der, der gerne feiert, und gelegentlich auch mal ein Bier zu viel trinkt, ich bin der, der manchmal faul ist und in der Öffentlichkeit nicht gerne redet. Aber so wie du mich kennst, kenn ich auch dich! Ich weiß, dass du gerne träumst, und dir wie jede Frau die perfekte Hochzeit wünscht, und die perfekte Ehe. Ich kann dir nicht versprechen, dass unsere Ehe perfekt wird, aber ich gebe mir Mühe." Der Saal lachte, Bens Familie auch, nur ich nicht. Ich hörte Christian aufmerksam zu und spürte plötzlich Bens Blick auf mir. ,,Du hast so viel für mich getan, ohne dich stände ich heute nicht hier und ich wüsste wahrscheinlich immer noch nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Aber jetzt weiß ich es, danke! Ich liebe dich. Aber jetzt komme ich erst auf den Punkt. Ich werde jetzt dir zu liebe ein Geheimnis verraten, dass nur du kennst, Julia. Nicht einmal meine Eltern wissen davon." Sein Blick fiel nun in die Menge, er hatte ein Grinsen auf dem Gesicht und einige seiner Kumpels jubelten ihm zu. ,,Also, meine Freunde, meine Familie, und alle anderen, die da sind. Ich werde euch jetzt etwas verraten. Ich bin Sänger, also ich singe, und ich glaube, ich kann das sogar gut." Plötzlich hielt Julia sich beide Hände vor den Mund, ich wusste nicht, was das zu bedueten hatte. ,,Wir wollen eine Kostprobe!" Rief jemand von einem Tisch am anderen Ende des Saals. Ohne lange zu zögern fuhr Christian fort. ,,Wie ihr wollt." Wie auf Kommando setzte die Musik ein. ,,It's amazing how you can speak right to my heart / without saying a word you can light up the dark / Try as I may I can never explain / What I hear when you don't say a thing." Ein Jubeln ertönte aus dem Saal und irgendeiner schwang ein Feuerzeug hin und her. Christians Stimme war gut, echt gut. Man merkte, dass Julia unvorbereitet war, und an den Tränen in ihren Augen konnte man vermuten, dass das Lied das Christian da sang, eines ihrer Lieblingslieder war. ,,The smile on your face let's me know that you need me / There's a truth in your eyes saying you'll never leave me / The touch of your hand says you'll catch me wherever I fall / You say it best, when you say nothing at all." Christian gab dem DJ das Mikro wieder und Julia kam ihm entgegen gelaufen, um ihn zu umarmen und zu küssen. Die Musik lief weiter und der DJ kündete den Hochzeitstanz an. So kitschig das auch klang, es war wunderschön und gehörte eben zu einer Hochzeit dazu. Wie verzauberte stand ich auf, wie alle andere Gäste, und stellte mich um den Kreis, in dem der Hochzeitstanz stattfand. Nach und nach gingen Familie und Freunde auch auf die Tanzfläche und tanzten zu Julias Lieblingslied. 
Total verzauberte schaute ich der Situation zu und freute mich, dass es Hochzeiten gab. Plötzlich legte Ben einen Arm um meine Hüfte und zog mich auf die Tanzfläche. Ich wurde aus meiner Träumerei gerissen. ,,Ich kann nicht tanzen!" Jaulte ich, aber Ben dachte gar nicht daran mich wieder gehen zu lassen. Er stellte sich mit mir mitten ins Getummel und zog mich ganz nah an sich an. Mein Körper lag dicht an seinem, er positionierte meine Hand auf seine Schulter, legte seine Hände an meine Seite und nahm meine freie Hand in seine. Dann machte er einfach irgendwelche Schritte, die vermutlich Walzer oder sonst was darstellen sollte, und ich versuchte einfach zu folgen. Am Anfang war es schwer, aber je mehr ich mich an die Musik gewöhnte, desto besser klappte es. Nach einigen Liedern tanzen wir fast flüssig und es fing an mir Spaß zu machen. Ich achtete gar nicht mehr auf meine Füße, sondern nur noch auf Ben. Sein Geruch war mir plötzlich wieder so vertraut und seine Augen fingen wieder an zu leuchten. Ich hatte das Gefühl, dass wir über die Tanzfläche flogen. Als die Musik sich allerdings änderte, und alle nur noch einen schnelleren Tanz tanzten, schlug ich vor, eine rauchen zu gehen. 
Wir verließen den Saal und setzten uns auf eine Mauer, die das Grundstück abzäunte, wo niemand uns sehen konnte. Ich setzte mich auf die Mauer, Ben lehnte an ihr, der Stoff seiner Jacke berührte mein Bein. Es war ein komisches Gefühl, neben ihm zu rauchen, zusammen mit ihm zu rauchen. Das kannte ich nicht, und eigentlich wollte ich es auch nicht kennenlernen. Wir schwiegen eine Weile. Aus der Ferne konnten wir die laute Musik von der Hochzeit hören. Ich lauschte dem Wind, es war schon dunkel und langsam wurde mir kalt. Aber die Zigarette beruhigte mich und ich fühlte mich besser. Ben war der erste, der Worte fand. ,,Was ist jetzt eigentlich mit uns?" Ich wollte da nicht drüber reden, ich wollte einfach wieder mit ihm zusammen sein und diesen ernsten Gesprächen aus dem Weg gehen. Das Leben war zu kurz um ernst zu sein, dennoch konnte dieses Gespräch Leben retten. ,,Ich vermisse dich." Sagte ich. Ganz schön mutig, in Gedanken lobte ich mich selber. ,,Melia, ich vermisse dich jede Sekunde. In der Schule, zuhause, ich habe dich immer vermisst, auch als wir zusammen... waren. Selbst da hab ich dich vermisst. Ich hab es vermisst, dich zu küssen, obwohl du neben mir saßt. Ich habe deinen Geruch vermisst, als ich nachts alleine im Bett lag, obwohl du vorher noch neben mir lagst und meine Bettdecke deinen Geruch trug. Selbst jetzt vermisse ich dich, ich wünschte du... du würdest mich küssen. Und zwar jetzt. Ich vermisse alles an dir. Deine Haare, deine Stimme, deine Haut, deine Augen, dein Lachen, deine Stimmungen, selbst deine kalten Hände." Seine Worte berührten mich auf eine Weise, auf die noch nie irgendetwas mich berührt hatte. Ich schaute ihn an, Tränen füllten meine Augen. In der Dunkelheit griff ich nach seiner Hand. Meine Zigarette war auf, ich zerdrückte sie an der Mauerwand und schmiss sie auf den Boden. ,,Ich will dich ja auch zurück. Aber, ich hab vorher noch eine Frage." ,,Schieß los." Seine Stimme war gelassen. ,,Wieso hast du das damals gesagt, in dieser Nacht? Wieso hast du mir das Gefühl gegen, dass ich ein Objekt bin?" Ich versuchte ruhig zu bleiben, ich wollte ihm keinen Vorwurf machen, obwohl das einer war. ,,Weil ich ein Junge bin, ich war ein Arschloch. Melia, ich schwöre ich würde es dir erklären, wenn ich es könnte. Aber ich kann es nicht. Ich weiß das hätte ich nicht sagen dürfen, selbst wenn du es nicht mitbekommen hättest. Ich weiß, dass du anders bist als die anderen Mädchen. Du bist nicht normal und genau das macht dich zu dem, was du bist. Genau das macht dich so besonders. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aber nimmst du meine Entschuldigung an, wenn ich dir sagen, dass es mir Leid tut?" Seine Worte waren klar, und ich glaubte ihm sofort. Ich wusste nicht, ob ich ihm glaubte, weil ich das alles schnell hinter mir bringen wollte, oder ob ich ihm glaubte, weil er die Wahrheit sagte. Aber das spielte jetzt eh keine Rolle. 
,,Entschuldigung angenommen." Ich grinste. Ben erwiderte mein Grinsen. ,,Willst du noch was dazu sagen?" Fragte er. Ich nickte. ,,Ja, ich ehm, ich will dich lieben, und ich will dich auch auf diese Art lieben, aber nicht jetzt, ich kann das jetzt noch nicht. Ich bin noch nicht so weit. Aber wenn ich so weit bin, möchte ich, dass du neben mir stehst." ,,Sowas kannst du gut." Sagte er. ,,Was? Nichts können?" ,,Nein, nein! Du kannst mich gut rumkriegen. Egal was du sagst, du sagst das richtige." Er griff nach meiner anderen Hand und ich musste grinsen. ,,Aber wie meinst du das mit dem nichts können?" ,,Ich kann gut nichts." Das verwirrte ihn. ,,Erläutere das bitte mal." ,,Naja, ich bin gut darin, nichts hinzukriegen, und ich kann gut nachts nicht schlafen, ich kann gut nicht mit Menschen reden und kriegs gut hin, mit nicht zu integrieren. Außerdem bin ich gut darin, nicht normal zu sein." Ben schüttelte den Kopf. ,,Und du bist gut darin, nicht die Wahrheit zu sagen." Verwundert schaute ich ihn an, jetzt drehte er den Spieß um. ,,Du bist verdammt gut darin, mich nicht zu ignorieren, aber du bist schlecht darin, mir nicht den Kopf zu verdrehen. Außerdem kannst du dich nicht gut einschätzen. Du denkst du kannst gut nichts tun? Das ist falsch. Du bist  zwar schlecht darin, die Menschen nicht zu verzaubern, aber dafür bist du gut darin, nicht jemand anderes zu sein, sondern du selber." Jetzt war er der jenige, der mich verwirrte. Ich überlegte eine Weile, doch dann war mir das zu Blöd und ich fing laut an zu lachen. Ich lachte so lange, und so stark, dass mir der Bauch weh tat. ,,Du bist so schön, wenn du lachst." Lachte er, denn ich hatte ihn mit meinem Lachen angesteckt. Allerdings konnte ich nichts erwidern, da mir die Tränen in den Augen standen und ich nach Luft rangte. 
Als ich versuchte, meinen Bauch zu entspannen, zog Ben mich von der Mauer und trug mich so, dass ich den Boden mit meinen Füßen nicht berühren konnte. ,,Lass das." Lachte ich. Ben ließ mich runter und wir standen uns Arm in Arm gegenüber. Sein Atem roch nach mir, nach Zigaretten. Er schob den Ärmel meiner Jacke etwas höher. Ich wusste welcher Arm das war und er wusste es auch. Aber das war okay. Er drehte ihn und sah die lange Narbe, die er noch nicht kannte. Dann drehte er ihn wieder um und zog die Jacke runter. Seine Hände umfassten mein Gesicht und er schaute mir in die Augen. ,,Du bist viel zu schön, um dir sowas zuzufügen." Ich legte meine Hände auf seinen Burstkorb. ,,Und du bist viel zu schön für Lungenkrebs." Er schaute weg, dann schaute er mich wieder an. In seinen Augen waren Tränen, trotzdem grinste er spielerisch. ,,Du rauchst doch selber." ,,Ja, aber ich bin doch schon ein Wrack, und du noch nicht." ,,Und jetzt?" Fragte er. ,,Ein bisschen wrackig bin ich auch schon." ,,Wrackig?" Lachte ich. Er nickte. ,,Willst du nicht aufhören?" Fragte ich. ,,Zu Rauchen?" Ich nickte. ,,Für dich?" Ich nickte wieder. ,,Nur wenn..." Er redete nicht zuende, denn er konnte nicht. Ohne Vorwarnung küsste ich ihn einfach. Zuerst vorsichtig, und dann Leidenschaftlich. Er zog mich näher an sich, meine Hände wanderten an seine Brust und seine schlangen sich um meine Hüfte. Jemanden aus Liebe zu küssen war das Schönste Gefühl, dass ich bis zu diesem Moment gefühlt hatte. Als wir uns voneinander lösten blieben unsere Gesichter ganz nah beieinander. ,,Nur wenn du dich nicht verletzt." Brachte er seinen Satz zuende. ,,Versprochen." Atmete ich leise. Dann küsste ich ihn wieder. 
1 note · View note
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 38
Die Schulwoche war recht gut. Ich hatte es endlich geschafft, alles um mich herum abzuschalten, sogar Ben ignorierte ich nach meiner Blumenaktion, auch wenn es mir schwer fiel und ich mich trotzdem ununterbrochen nach ihm sehnte. Vielleicht war das alles ja schon vergessen und wir konnten locker von vorne anfangen, aber ich war einfach zu feige um den ersten Schritt zu machen. Ich wollte nicht schon wieder meinen Fuß ins falsche Feld setzen. Aber wenn Ben den ersten Schritt machen würde, würde er ganz bestimmt nicht ins falsche Feld treten. 
Als ich mich am Dienstag nach der Schule auf den Weg zur Fahrschule machte, kam Lisa mir entgegen. Sie hatte sich die Haare noch dunkeler gefärbt, ich hatte sie erst beim zweiten Mal hinschauen erkannt. So fremd waren wir uns mittlerweile also geworden. Mit einer Hand auf dem Herzen wurde mir klar, dass das mit Lisa und Tom keinen Zweck hatte und es auch nie wieder so sein würde wie früher. Und das war auch gut so. Freunde konnte ich sie nicht nennen, seit dem ich Linda und Ben kennengelernt hatte. Ich hatte nicht mal über Facebook Geburtstagsglückwünsche bekommen, obwohl beide eigentlich wussten, wie wichtig mir mein 18er Geburtstag immer gewesen war. 
Am Mittwoch ging ich zu Emma Wunder ins Krankenhaus. Ihr Zustand war wie zuvor, ihr ging es nicht besser, was eigentlich gut war, in der Hinsicht, dass es ihr auch schlechter gehen könnte. ,,Jetzt, wo du hier bist, Mädchen, da geht es mir doch viel besser." Diese Worte schenkte sie mir zur Begrüßung, dann umarmte sie mich und gratulierte mir nachträglich zu meinem Geburtstag. Wir redeten lange, Emma Wunder hatte wieder etliche Gesprächsthemen für mich und es dauerte eine Weile, bis ich dazu kam, ihr die Zigarettenschachtel zu zeigen. ,,Oh, der Junge ist ein Prachtkerl. Und ihr seid immer noch auseinander?" Ich nickte. Sie strich über die Blumen und laß die Warnhinweise auf der Schachtel. ,,Dat is 'ne Metapher." ,,Wie?" Fragte ich. Emma Wunder schob ihre runden Brillengläser auf ihre Nasenspitze und erklärte mir, was es ihrer Meinung nach mit der Zigarettenschachtel auf sich hatte. ,,Rauchen kann tödlich sein. Rauchen macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an! Alleine schon die Warnungen. Aber wenn du sie öffnest, ist sie voller Blumen, und dir kommt dieser Geruch entgegen, den du so liebst. Es ist schön, in deinen Augen. Es ist doch offensichtlich, Mädchen, streng mal deinen Kopf an! Du liebst es, aber es macht dich kaputt." Ich dachte einen Moment über Emma Wunders Worte nach, sie hatte recht. ,,Stimmt." Murmelte ich. Also hatte er damit abgeschlossen? Wollte er mir verdeutlichen, dass es ihn kaputt machte? Oder, dass er kaputt war? Vielleicht wollte er das als Zeichen dafür setzen, dass es vorbei war. Oder er hatte die Metapher unbewusst eingebaut. Vielleicht war Ben ja nicht so schlau, wie Emma Wunder. Ich schwieg. ,,Bring das in Ordnung! Du bist genauso kompliziert, wie ich es früher war, willst du so enden, wie ich? Alleine?" Ich zuckte mit den Schultern. ,,Erzähl mir was von früher." Jetzt setzte ich mich auf ihre Bettkante, wie eine Mutter es tat, wenn sie ihrem Kind eine gute Nacht Geschichte vorlas. Emma Wunder war eine Mischung aus der Mutter, der besten Freundin und der Großmutter, die ich nie wirklich gehabt hatte. ,,Also gut, aber nur, weil du es bist!" Sie fuhr ihre Rückenlehne hoch und fing an zu erzählen. ,,Wir haben auf einem Bauernhof gelebt. Ich hatte einen großen Bruder, und nur Unfug im Kopf. Einmal haben wir die Schweine freigelassen, und einmal hat mein Bruder mit dem Gewehr meines Vaters eine Wertvolle Kuh angeschossen. Das hat Ärger gegeben. Als mein Bruder dann Traktor fahren konnte, fing das Chaos bei uns dann erst richtig an. Dauernd waren wir unterwegs, wir waren sozusagen der Albtraum eines jeden Dorfes und irgendwann hatte der Ruf meiner Familie sich auch dementsprechend verschlechtert. Mein Vater war sehr streng und meine Mutter litt unter ihm, ich wusste, dass sie nie glücklich in ihrer Ehe war. Als ich fast 17 war, schickte mein Vater mich nach Berlin. Er war der Meinung, ich war keine Frau, und sollte eine werden. Also wurde ich auf ein Internat geschickt, wo ich die versäumten Schuljahre, die ich auf dem Land versemmelt hatte, wiederholen musste. Ich wohnte also in einem reinem Mädchen Internet, war die älteste und die verzogenste. Die Mädchen kamen alle aus normalen Familien und waren streng erzogen. Ich war also irgendwie alleine, keiner hatte Lust auf mich. Bei schönem Wetter fuhr ich also immer mit dem Fahrrad in die Stadt, das war zur Zeit der DDR, trotz der kritischen Lage verliebte ich mich nach und nach in Berlin. Aber nicht nur in Berlin. Ich lernte einen jungen Mann kennen, der auf einer Baustelle arbeitete und wir verliebten uns. 30 Jahre waren wir ein Paar, haben nie geheiratet, einfach nur gelebt. Bis er mich irgendwann für eine andere Frau verlassen hat. Nach 30 Jahren, stell dir das mal vor." Emma Wunder schüttelte den Kopf, ihr Blick wurde plötzlich leer und ich bekam eine Emma Wunder zu Gesicht, die ich zum ersten Mal sah. Als ich merkte, dass ihre Augen glasig wurden, nahm ich reflexartig ihre Hand um sie vom Weinen zu hindern. ,,Mir ging es auf hochdeutsch gesagt scheiße. Und ich wünschte ich könnte einiges rückgänig machen, aber das geht jetzt nicht mehr. Mittlerweile bin ich auch wieder ich, ich bin zwar alleine, aber nicht einsam. Ich hab immer noch mich, und meinen Bruder, den ich allerdings ziemlich selten sehe. Und jetzt habe ich auch dich." Ihre Stimme war plötzlich ganz ruhig, nicht mehr frech, wie sonst immer. ,,Deswegen, mach das, was du kannst, solange du es kannst." Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen und ich fühlte mich plötzlich so ausgefüllt. Der Druck auf meiner Brust verschwand, nur der Gedanke an Ben blieb. 
Am Freitag bereitete ich mich den ganzen Tag auf eine Klausur vor und war Abends schnell müde, was ungewöhnlich für mich war. Ich redete noch eine Weile mit Susan im Wohnzimmer, und ging dann sogar noch früher ins Bett als sie. Dieses Wochenede stand nichts an mit Feiern, und seit meinem letzten Erlebnis war mir jeglicher Appetit auf Alkohol vergangen. 
Am nächsten Morgen wachte ich um halb neun auf, eine Rekordzeit. Ich ging in die Küche und musste feststellen, dass alle anderen noch am schlafen waren. Der Himmel war blau und die Luft schien frisch zu sein. Ich entschied, etwas Gutes zu tun und zog mir eine Jacke und Schuhe an, um beim nächsten Bäcker Brötchen zu kaufen. Als ich wieder nach Hause kam und immer noch alle am schlafen waren, deckte ich schon mal den Tisch und bereitete ein Frühstück vor, was nur aus Langeweile entstehen konnte. Um kurs nach neun kam Susan in die Küche, und kurz danach auch mein Vater und Jamila. ,,Oh, ist heute Ostern?" Fragte Papa ziemlich verwundert, als er das Frühstück sah. Ich lachte, es fühlte sich gut an, mal was für andere gemacht zu haben, auch wenn es nichts besonderes war. Wir saßen fast eine Stunde zusammen am Frühstückstisch. Ich konnte mich echt nicht beklagen. Allerdings konnte man fast sagen, dass sich das Gute zum Schlechten gedreht hatte und das Schlechte zum Guten. Das war ein Nachteil, aber auch ein riesiger Vorteil, den ich eigentlich nicht ändern wolle. Eigentlich. 
Ich entschied mich den ganzen Tag in meiner Jogginghose und ungestylt zu verbringen, ich hatte sowieso nichts vor, außer lernen. Nach dem Frühstück schauten Jamila und ich erst noch einen Film auf dem Sofa, bevor ich mich ans Lernen machte. Um halb zwei entschied ich mich eine Pause einzulegen und mir einen Kakao zu machen. Susan stand im Wohnzimmer und bügelte, Papa und Jamila waren für einen Samstagsbummel in die Stadt gefahren. Gerade als ich auf dem Weg mit meinem Kakao ins Wohnzimmer war, klingelte es an der Haustür. Ich entschied mich dazu, einfach zu öffnen, da ich eh gerade im Flur war. Ich sah zwar aus wie ein Penner, aber es war vermutlich eh nur ein Nachbar oder der Postbote, oder sonst wer. Doch als ich die Tür öffnete, schaute mir ein Junge entgegen, der einen Kopf größer war als ich, braune Haare hatte und in einem Jacket und einem Hemd steckte. ,,Hi." Die Stimme, die ich besser kannte, als jede andere. Die, die mir Nachts im Kopf rumschwirrte. Ben.
Ich brachte keinen Ton raus und schaute ihn verwirrt an. Dann schaute ich an mir herunter und plötzlich fiel mir auf, dass alles was ich trug lediglich eine schlabberige Jogginghose und ein viel zu großer Pullover war. Meine Haare waren unordentlich zu einem Dutt gebunden und unter meinen Augen waren schwarze Ränder von meiner Schminke. Vor lauter Verwirrung fiel mir die Tasse mit dem Kakao aus der Hand. Sie zersprang auf den fließen, es klirrte und die schokobraune Flüssigkeit zeichnete sich tröpchenweise an unserer weißen Tapete ab. ,,Melia?" Rief Susan aus dem Wohnzimmer. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 37
Susan hatte in meinem Zimmer einen Frühjahrsputz veranstaltet und komplett aufgeräumt. Sie hatte Dinge gefunden, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existierten. Ich lag auf meinem frisch bezogenem Bett und starrte an die weiße Decke. Alles roch so neu und gar nicht nach mir. Mit meiner Nase versuchte ich irgendwo den Geruch von Rauch in der Luft zu finden, aber ich fand nichts. Vielleicht war das auch gut so. Ich hatte im Krankenhaus zwar auch geraucht, aber nicht so häufig, weil ich dazu immer nach draußen gehen musste, und dazu hatte ich nicht immer die Möglichkeit. 
Meine Familie war plötzlich wie ausgetauscht, ich befürchtete sogar, dass mich die falschen Menschen vom Krankenhaus abgeholt hatten. Susan stand in der Küche und kochte, außerdem war der Tisch gedeckt, für alle. Die Sonne schien ins Küchenfenster und Jamila saß schon am gedeckten Tisch. Aus dem Wohnzimmer hörte man meinen Vater zu der Musik summen, die er angestellt hatte. Nur ich war irgendwie die Alte, äußerlich zumindestens. Ich stand in der geöffneten Tür, trug eine Jogginghose, einen viel zu großen, alten Pullover und schaute verwundert dem Geschehen zu. ,,Setz dich doch schon mal hin." Forderte Susan mich fröhlich auf. Ich zögerte nicht lange und setzte mich neben Jamila. Es gab Spaghetti Bolognese, und es schmeckte mir sogar. Zu meinem großen Verwundern, und zu dem der anderen, aß ich gleich drei Portionen. Zwar nicht besonders große, aber immerhin. 
Den restlichen Samstag verbrachte ich auf dem Sofa zusammen mit meinem Vater, der sich extra frei genommen hatte. Ich hatte das Gefühl, dass wir alle DVDs durch schauten, die wir besaßen. Um zwölf Uhr ging ich ins Bett und schlief direkt ein, ohne groß in meinem Gedankensumpf zu versinken. 
Am Samstag Nachmittag kam Linda. Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen und backten Kuchen für meinen 18. Geburtstag am nächsten Tag. Ich konnte es gar nicht glauben, ich war wirklich fast Achtzehn, ich hatte so lange darauf gewartet und jetzt hatte ich gar keine Lust mehr. Ich hatte immer davon geträumt wegzufahren von hier, endlich raus, aber jetzt schien mir all das da draußen viel zu groß und gefährlich. Ich wollte viel lieber bei meiner Familie bleiben. All meine Pläne und Vorstellungen hatten sich innerhalb von drei Monaten komplett geändert. Ich hatte noch genau die Situation vor Augen, als ich mit Lisa bei Tom in der Bude saß und wir geraucht hatten, da haben wir über meinen 18. Geburtstag geredet, und es schien alles so weit weg. Wenn man auf das blickt, was in dieser Zeit alles passiert ist, dann war es auch noch weit weg, aber jetzt waren es nicht einmal mehr 24 Stunden bis zu meinem Geburtstag. 
Am nächsten Tag schlief ich lange, als ich um ein Uhr immer noch  nicht wach war, kamen mein Vater, Jamila und Susan mit einem kleinen Kuchen in mein Zimmer und sangen Happy Birthday. Jamila hatte ein kleines Geschenk und Papa und Susan auch. Meine Freude war gespielt, aber das war sie immer, weil ich nie wusste, wie ich reagieren sollte, wenn plötzlich drei Leute singend auf einen zu kamen. Zuerst öffnete ich Jamilas Geschenk, sie hatte mir eine iPhone Hülle bedrucken lassen, mit einem Foto von uns beiden an dem Tag des Justin Bieber Konzerts. Es war echt ein schönes Foto und ich freute mich sehr, diesmal war es nicht gespielt. In dem Geschenk von Susan und Papa befand sich ein Autoschlüssel, unser Autoschlüssel. ,,Wie jetzt? Ihr schenkt mir doch nicht euer Auto? Ich hab noch nicht einmal einen Führerschein." Papa grinste und Susan zeigte in die Box, in der sich der Schlüssel befunden hatte. Ein zusammengefalteter Zettel lag darin. Ich nahm ihn raus und faltete ihn auseinander. "Führerschein und freier Sprit für unser Auto 2 Jahre lang. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Susan und dein Papa" ,,Wir bezahlen dir den Führerschein und den Sprit für's fahren während der Probezeit." ,,Euer ernst?!" Diesmal war die Freude echt riesig. Erst hieß es immer, dass ich meinen Führerschein selber bezahlen musste, dazu hatte ich allerdings nie Geld und deshalb hatte sich das mit 17 nie ergeben. ,,Danke!" Ich fiel beiden um den Hals und stieg grinsend unter die Dusche. 
Um halb vier klingelte es an der Tür, die ersten Gäste waren da. Meine Cousinen, Tanten, Onkel und sogar Mama's Schwester aus Leipzig waren gekommen. Komischerweise hatte ich zu der Schwester meiner Mutter ein super Verhältnis, sie war total locker und erinnerte mich etwas an Emma Wunder, doch auch sie wusste nicht, wo meine Mutter steckte. Auf jeden Fall hatte sie nie etwas erzählt und ich wollte es auch nicht wissen. Ich bekam ganz viel Geld, Kleinigkeiten und Erinnerungsfotos von früher. Jeder meiner Verwandten hatte darauf geachtet, dass auf keinem der Fotos meine Mutter zu sehen war. 
Zum Abendessen kam Linda, sie erlöste mich von dem Familiengequatsche, was eigentlich mal ganz angenehm war und mir total gut tat. Allerdings hatte Linda gar nicht vor, sich mit mir irgendwo zu unterhalten, sie blieb lieber bei meiner gesamten Familie, quatschte jeden ein Kotlette ans Ohr und trank mit meinem Patenonkel ein Bier. Das war Linda, und ich mochte sie für ihre Offenheit, die auch bei meiner Familie ein guten Eindruck hinterließ. Wir bestelleten Pizza, es war Sonntag, alle Pizzerien waren im Dauerstress und somit kam unsere Pizza auch erst um neun Uhr an. Als die Pizza gelierfert wurde und mein Vater sie an der Haustür entgegen nahm, verlangte er plötzlich nach mir. ,,Melia, kannst du mal eben gucken? Ich hab den ganzen Arm voller Pizzakartons und ich glaube hier liegt etwas für dich auf der Fußmatte." Mein Atem stockte und auch Linda schaute mich an, man sah in ihren Augen, dass sie eine Vermutung hatte. Mit einer gespielten Überraschung stand ich auf und ging an meinem Vater vorbei, der mit unmengen von Pizzakartons an mir vorbei lief, in Richtung Haustür. Und tatsächlich, auf der Fußmatte vor der Tür lag etwas für mich. Aber keine Blumen oder ein gewöhnliches Päckchen, sondern eine Schachtel Zigaretten. Meine Zigaretten, meine Marke, oder unsere Marke. Sie war zerdetscht und geöffnet, ihre Kanten waren eingedrückt und der Deckel ging nicht mehr ganz zu. Ich bückte mich und hob sie auf. Sie war leicht, vielleicht war sie leer. Als ich sie öffnete, kam mir ein allzu bekannter Duft entgegen und ich verspürte das Bedürfnis, mich in seinen Kleiderschrank zu setzen, um den Geruch zu inhalieren. Es war sein Parfum, Shampoo, Rasierwasser, was auch immer. Aber in der Schachtel waren keine  Zigaretten. Stattdessen füllten kleine, lila Gänseblümchen die Schachtel bis zum Rand. Ich roch noch einmal dran. Er war es, 100 prozentig. In mir zog sich etwas zusammen und ich verspürte eine heftige Sehnsucht. Diese kleine Botschaft ließ mich wissen, dass es noch nicht vorbei war. Ich öffnete die Schachtel noch ein bisschen mehr und da konnte ich sehen, dass er in den Deckel ,,Alles gute zum Geburtstag" geschrieben hatte. Mein Herz setzte für einen Moment aus und ich starrte auf die Schachtel, die eine Blumenvase darstellte. Er hatte mich nicht vergessen, meinen Geburtstag nicht. Er und Linda waren meine einzigen richtigien Freunde, die einzigen, die mich nicht vergaßen. Aber Ben war irgendwie nicht da, und jetzt wünschte ich mir nichts sehnlicher, als ihn vor mir stehen zu haben. 
Obwohl es Pizza gab, war mir der Appetit vergangen. Ich aß trotzdem und spielte die gut gelaunte, obwohl mir nicht nach Geburtstag war. Ich dachte permantent an das Gefühl, das Ben mir immer gegeben hatte. Linda schien zu merken, dass etwas nicht stimmte, und als die Gäste sich verabschiedet hatten, und ich an meinem Zimmerfenster noch eine rauchte, fragte sie nach, was mich da so schlagartig umgeschmissen hatte, als ich an der Tür war. Ich erzählte ihr von Ben und zeigte ihr das Päckchen. Sie seufzte, aber ich hätte ich schwören können, dass sie innerlich weinte, weil Bens Geschenk so wunderschön und persönlich war. ,,Ich wette, er hätte am liebsten noch 'ich liebe dich' oder sowas drauf geschrieben." Sagte sie, als ich sie zur Tür brachte. ,,Lass das." Sagte ich leise. Ich konnte einfach nicht aufhören daran zu denken und durch ihre Kommentare wurde es nur noch schlimmer. ,,Melia, es tut mir leid. Aber irgendjemand muss das doch aussprechen, wenn du es nicht tust. Du kannst das nicht in dich hineinfressen." Ich nickte nur, sie hatte ja Recht. ,,Weißt du was?" ,,Was?" ,,Jeden Abend hoffe ich, dass das mit dir und Ben wieder wird. Ihr seid einfach... einfach toll! Und ich liebe euch beide zusammen, und du warst so glücklich mit ihm! Ich hab jetzt vielleicht schon den ein oder anderen Sekt getrunken, aber weißt du was? Irgendwie spür ich, dass ihr wieder zusammen kommt. Ich hab das so im Gefühl." Ich musste grinsen, Linda und ihr Gefühl. Ihre Worten waren wahr, und irgendwie munterten sie mich auf. ,,Komm gut nach Hause." Sagte ich. Noch bevor ich die Tür hinter ihr zu zog, drückte sie mir einen Kuss auf die Stirn und murmelte ,,Alles gute zum Geburtstag, Süße." 
Ich war müde, und kurz bevor ich schlafen ging, redete ich noch mit Susan. Auch ihr erzählte ich von der Zigarettenschachtel. Sie sagte nicht viel, aber in ihrem Blick konnte ich erkennen, dass sie das gleiche wie Linda hoffte. Sie sagte mir auch, dass sie Linda toll fand und dass ich unbedingt die Freundschaft aufrecht halten sollte. Linda war vielleicht manchmal anstrengend, aber sie war toll und unersetzbar. Ich brauchte so jemanden als Freundin. Mittlerweile war ich echt froh, dass mein Vater Susan in unsere Familie gebracht hatte. Ohne sie wären wir vermutlich immer noch ein riesiges Wrack, aber jetzt waren wir nur noch ein verbeultes Auto, dass langsam fuhr. Aber es fuhr. Ich hätte sagen können, dass alles so war, wie es sein sollte, wäre da nicht dieser Junge, der alles beeinflusste, was ich machte, nur, in dem er sich einfach nicht aus meinem Kopf verzog. 
Am nächsten Tag war wieder Schule, ich war vorbereitet. Diesmal hatte ich keine Angst, ich hatte alles geplant und mich voll auf meine Konzentration eingestellt. Die Zigaretten Schachtel von Ben war sicher in meiner Lederjacke. 
Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis es zur großen Pause klingelte. Ich war die erste die den Klassenraum verließ, versuchte dann aber unauffällig das Schulgebäude zu verlassen, um auf den Schulhof in meiner Raucherecke auf Ben zu warten. Er ließ sich locker eine viertel Stunde Zeit, bis er auftauchte. Es schien ihn zu wundern, dass ich heute wieder in der Schule war, nachdem ich so lange Krank geschrieben war. Aber ich achtete nicht auf seinen leeren Gesichtsausdruck und versuchte mich auch nicht von seiner Anwesenheit abzulenken. Ich war hier um mein Ding durchzuziehen. Kurz bevor er sich eine Zigarette anzünden konnte, lief ich auf ihn zu. ,,Willst du eine von mir?" Ich hielt ihm die Zigarettenschachtel von ihm hin, mit den Blumen drin, öffnete sie und hielt ihm die Blumen vor die Nase. Er schaute mich total unvorbereitet an, griff dann aber in die Schachtel und zog sich ein Gänseblümchen heraus. ,,Danke." Murmelte er in seiner wunderschönen Ben Stimme, die ich mir gestern so sehr gewünscht hatte. Dann steckte er sich die Blume zwischen die Zähne und zündete sie mit seinen Feuerzeug an, bis sie verschmort war. Ohne eine miene zu verziehen, nahm ich ihm sein Feuerzeug aus der Hand und machte das Gleiche mit einer Blume für mich. Dann drückte ich ihm das Feuerzeug wieder in die Hand, drehte ihm den Rücken zu und verließ meinen Stammplatz. Ich sah es zwar nicht, aber ich wusste, dass er mir mit seinem Lächeln hinterher sah. 
5 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 36
Ich knallte die Haustür hinter mir zu. Niemand reagierte. Keiner zu hause? Ich streifte meine Jacke über meine Schultern und schmiss sie in die nächste Ecke. „Hallo?” Rief ich leise. Keine Antwort. Ich ging in die Küche, der Tisch war leer, nur eine Brötchentüte lag auf ihm. Ich schaute in allen Räumen und Schlafzimmern, niemand da. Dann schrieb ich Jamila eine SMS, schließlich war ich doch etwas neugierig, wo sich meine Leute befanden. Ich ging in mein Zimmer, es war unordentlich. Auf meinem Schreibtisch lag noch eine Tüte Chips. Ich griff hinein und steckte mir einen in den Mund. Nachdem ich ihn geschluckt hatte, wurde mir plötzlich ganz schlecht. Ich rannte in mein Badezimmer und kniete mich vor die Toilette, bereit zum Kotzen. Allerdings kam nichts, die Übelkeit blieb aber. Ich fing wieder an zu schwitzen und glühte. Es reichte mir, in der Hoffnung auf Besserung steckte ich mir den Finger in den Hals und übergab mich. Es kam aber nicht viel, nur ein bisschen Wasser. Mein Hals brannte und ich hustete wie verrückt.
Auf einmal wurde meine Badezimmertür aufgerissen, Susan stand im Türrahmen und schaute auf mich herunter, wie ich hustend vor der Toilette saß. „Was ist denn mit dir los? Und wie siehst du überhaupt aus?” Ich schaute sie Hilfe suchend an und fühlte mich wie ein kleiner, ausgesetzter Hund. Sie kniete sich zu mir und klopfte mir solange auf den Rücken, bis der Husten verging. Dann nahm sie mein Gesicht in ihre Hände. „Mädchen, du hast Augenringe bis nach Amerika und Pupillen so klein wie ein Sandkorn. Außerdem bist du ziemlich blass, und… oh gott, du glühst!” Sie klang besorgt, ich wollte etwas sagen doch meine Kehle war zugeschnürt. Susan bemerkte das sofort, schnell füllte sie einen Becher mit Leitungswasser, den ich sofort trank. Ich atmete laut auf. „Mir wurde was ins Getränk gekippt, irgendwelche Tropfen.” „Was?!” Susan riss ihre Augen auf, sie schaute mich entsetzt an. 
Jetzt saß ich im Auto, neben Susan, auf dem Weg ins Krankenhaus. Ich hatte ihr erzählt, dass Ben mir geholfen hatte, dass ich dort übernachtet hatte und nichts mehr von der Nacht wusste. Ich wusste nicht woran es lag, aber ich hatte keine Kraft mehr. Vielleicht lag es einfach an diesen verdammten Tropfen, die der Kerl mir gegeben hatte, oder an meinen ausgepumpten Gefühlen. Ich war Ben so dankbar, und ich liebte ihn mehr als alles andere, nur leider wollte ich das nicht. Ich wollte mein altes Leben zurück. Es war zwar kein schönes Leben, aber bestimmt tausendmal schöner, als das Leben nach dem Paradies. Susan hatte kurzer Hand beschlossen, ins Krankenhaus zu fahren, da Sonntag war und kein Arzt offen hatte. Im Auto schlief ich leicht ein, wurde aber wieder wach, als wir vorm Krankenhaus parkten. 
Ich hatte kaum Kraft, durch die grell beleuchteten Gänge des Krankenhauses zu laufen. Ich behielt Susan im Blick, versuchte ihr zu Folgen. Wir kamen auch direkt dran und ich lag im Behandlungszimmer auf einer harten Liege, während eine Ärztin meinen Blutdruck misste. Mir wurde Blut abgenommen und in die Augen geleuchtet. Ich wurde eigentlich rundum untersucht. Ich musste mich sogar bis auf die Unterwäsche ausziehen. Erst weigerte ich mich, aber letztendlich hatte  ich keine Kraft, mich zu wehren. Die Ärztin zog mir einfach die Klamotten vom Leib, ich stöhnte nur. Zum Glück war Susan nicht im Zimmer, sonst würde auch sie meine vernarbten Arme sehen. Doch die Ärztin äußerte sich dazu nicht, sie fragte zum Schluss nur, ob ich schon einmal über eine Therapie nachgedacht hatte. Als ich mich wieder angezogen hatte, wurde Susan hereingebeten, zur Besprechung. „Melia ist unter gewichtig. Sie hat den ganzen Körper voller Blutergüsse und zu trockene Haut. Außerdem hat sie hohes Fieber und einen zu niedrigen Blutdruck. Ihre Blutergebnisse werden uns dann sagen, was sie ins Getränk gekippt bekommen hat. Ich würde aber auf irgendeine Art von K.O- Tropfen tippen. Die meisten Opfer von solchen Tropfen kommen schlimmer davon als Melia, sie hat noch einmal Glück gehabt. Aber sie reagiert durch ihre wenige Körpermasse anders darauf. Ich würde sie zur Untersucht gerne noch etwas hier behalten. Wie lange kann ich nicht sagen, mindestens 2 Nächte, es kann aber auch länger dauern.” Susan nickte und stellte noch einige Fragen. Ich nahm all das kaum noch wahr und starrte die ganze Zeit ins Leere. Es machte mir nicht einmal was aus, dass ich im Krankenhaus bleiben musste. Es war mir sogar Recht. Dann musste ich wenigstens nicht in die Schule, auch wenn ich in einer Woche schon 18 wurde. Eine Woche noch. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich wusste noch genau, als ich vor drei Monaten mit Lisa bei Tom war und mich auf meinen Geburtstag gefreut hatte. Ich dachte, mit 18 würde alles anders sein, aber das es so anders war, hatte ich nicht gedacht. 
Ich fand Krankenhäuser schrecklich. Die Zimmer waren weiß und an der Wand hing ein Kreuz. Außerdem roch es unangenehm und die Geräte der alten Frau, mit der ich mir das Zimmer teilen musste, piepten im Minutentakt. Außerdem hatte ich einen Tropf im Arm stecken, der mich mit künstlicher Nahrung versorgte, da ich noch nichts zu mir nehmen konnte, und der störte mich. Ich konnte nicht schlafen und schwitzte. Dazu kam noch, dass sich alles drehte, wenn ich die Augen schloss, und ich bekam Panik. Meine Zimmergenossin war um die 60 oder 70 Jahre alt, und schnarchte, wenn sie einschlief. Allerdings war sie verdammt taff. Sie erzählte mir Dinge, die mich eigentlich nicht interessierten. Dennoch war ich froh, nicht allzu einsam zu sein. Wenn ihr etwas nicht passte, sagte sie das frei heraus und wenn die Schwester genervt das Zimmer verließ, sagte sie immer: „Ich musste in meinem Leben schon so viel tun und machen, und hab immer unter anderen Leuten gelitten. Doch jetzt reicht es mir, wenn mir etwas nicht passt, dann sag ich das. Die müssen mal verstehen, dass ich schon gelebt habe und wenigsten jetzt, in den letzten Jahren meines Lebens, egoistisch sein will.” Das beeindruckte mich. Ich redete zwar nicht viel, weil meine Kehle es nicht erlaubte, aber das machte der Frau gar nichts aus. Wenn ich Nachts einschlief, und einen Albtraum bekam oder einen Panikanfall, dann rief die Frau immer eine Schwester, weil ich das nie tat. Sie sagte dann, dafür seien die Schwestern ja da. Sie wusste, dass die mir helfen konnten, aber ich wollte keine Hilfe. Die Schwestern meinten, die Panikanfälle kämen vom Fieber und dass  sich das in den nächsten Tagen noch verbessern würde. 
Mittlerweile verbrachte ich schon meine dritte Nacht im Krankenhaus. Ich hatte kein Fieber mehr, war aber immer noch schwach. Ich hatte anscheinend eine Überdosis dieser Tropfen getrunken, deshalb ging es mir immer noch schlecht. Durch meine wenige Körpermasse verbesserte sich mein Zustand nur schleppend. Nachts drehte sich alles und mir war permanent übel. Allerdings war die Zeit im Krankenhaus ziemlich erträglich. Ich aß schon wieder selber und hatte mich mit meiner Zimmergenossin angefreundet. Sie war 68 Jahre alt und hieß Emma Wunder. Das war kein Scherz. Ihr Vor- und zu Name war Emma Wunder. Und ich nannte sie auch nur Emma Wunder, nie nur Emma, weil sich das so schön anhörte. Sie war rundlich gebaut, hatte graue Locken und war frech. Sie hielt die Schwestern auf Trapp und unterhielt mich besser, als jeder andere Mensch. Mit Linda verstand sie sich besonders gut, weil sie beide den gleichen Humor hatten, und Linda unterhielt sich Stunden mit ihr, wenn sie mich, beziehungsweise uns, besuchen kam. 
Linda war die einzige Person, die mich von meinen Freuden besuchte. Mein Vater, Susan und Jamila schauten auch täglich ihre Köpfe in mein Zimmer und Emma Wunder ließ die Kinnlade meines Vaters andauernd mit ihren Sprüchen herunterfallen. Als Linda zu Besuch kam, redeten wir über den Abend, an dem alles passiert war. Emma Wunder hörte zu und gab ab und zu Kommentare ab. „Ich hab bei ihm übernachtet, in seinem Bett. Er hat auf dem Boden geschlafen. Ich weiß einfach nichts mehr. Und am nächsten Tag war er total abweisend und irgendwie hab ich mich total beschissen gefühlt.” Linda hörte aufmerksam zu, zusammen mit Emma Wunder überlegten sie Dinge, die sie mir raten konnten und ließen mich meinen Kummer von der Seele reden. „Ach Mädel, du bist einfach naiv. Der Kerl würde alles für dich tun und du auch für ihn. Ich bin eine alte Frau, ich weiß wie das ist mit der Liebe. Du bist dir deinen Gefühlen einfach nicht klar genug und das ist dein Problem. Natürlich hat man Probleme, aber wenn ein Bilderrahmen von der Wand fällt, hängst du ihn doch auch wieder auf, oder kaufst du dir direkt einen neuen?” „Wenn die Scheibe noch heile ist, dann nicht.” Ich schaute Emma Wunder an, und Linda. „Ja, okay. Du hast Recht. Vielleicht ist in der Scheibe ein Riss, aber die kann man austauschen. An manchen Dingen muss man arbeiten, aber der Rahmen, der bleibt. Den schmeißt man nicht direkt weg, vor allem nicht, wenn es dein Lieblingsbild ist, was in dem Rahmen steckt.”
Emma Wunder war die Art von Mensch, die man nur selten traf, und wenn man sie traf, bewunderte man sie. Trotz ihres schwachen Herzens, weshalb sie die meiste Zeit im Krankenhaus verbrachte, gab sie einem Kraft. Sie war selbstbewusst, fröhlich, sah in vielem das Positive und wenn nicht, dann machte sie es positiv. Sie gab mir ein Gefühl von Geborgenheit, das ich nie wirklich gekannt hatte und vor allem versuchte sie mich zu verstehen, und wenn sie das nicht tat, dann tat sie so, als würde sie mich verstehen. Sie wusste einfach, was ich brauchte. Irgendwie ergänzten wir uns perfekt, trotz unser 50 Jahre Altersunterschied. 
Mittlerweile war Freitag, ich hatte die ganze Woche im Krankenhaus verbracht, doch an diesem Tag wurde ich entlassen. Ich wollte gar nicht gehen. Viel Stabiler als zuvor saß ich auf meiner Bettkante und schaute auf Emma Wunder, die mich dazu verdonnerte, sie so oft wie nur möglich zu besuchen. Ich konnte nichts sagen, nickte einfach nur. Emma Wunder hatte sich einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen ergattert und den würde sie noch lange behalten. Ich wollte es nicht zugeben, aber als ich mich über Emma Wunder beugte um sie zur Verabschiedung zu umarmen, brachte ich es übers Herz ein kleines „Danke” zu murmeln, und mir kullerte sogar eine Träne über die Wange. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 35
Kein Geld mehr. Alles was sich in meiner Jackentasche befand war mein Ausweis, ein Fünfer, mein Hausschlüssel, ein Packung Taschentücher und ein Hustenbonbon. Mein Portemonnaie konnte ich nicht finden, und mit fünf Euro würden Melia und ich nicht weit kommen. Ich beschloss also zu laufen, es ging immer noch schneller als mit der U-Bahn, außerdem wollte ich nicht herausfinden, wie Melia sich in der U-Bahn verhalten würde, und während dieser Uhrzeit war U-Bahn fahren generell kein Spaß. Ich hielt sie am Handgelenk, da sie meine Hand nicht halten wollte und ich ihr auch nicht zu nahe treten wollte. Auch wenn Händchen halten nur was kleines war, war es doch was persönliches. 
Ihre Haare waren zersaust und eine Strähne hing an ihrem Mundwinkel. Sie torkelte neben mir her und ließ sich total ziehen. Ihre Augen waren leer und sie starrte in die Nacht. Ab und zu stöhnte sie leise, ihre Augen wurden immer schwerer. Ich behielt sie die ganze Zeit im Auge, kontrollierte jeden ihrer Schritte und konzentrierte mich auf ihre Gewichtsverlagerung. Nach einer halben Stunde hatten wir die Hälfte geschafft, allerdings schien Melia das gar nicht mehr mit zu bekommen. Kurz bevor wir durch eine kleine Wohnsiedlung liefen, fing sie an sich mit mir zu unterhalten. ,,Weißt du eigentlich, worauf ich jetzt Lust habe?" Lallte sie. Sie blieb stehen, suchte halt und fand ihn an meinem Oberkörper. Ich schaute sie fragend an. ,,Auf dich!" Sie tippte mir auf die Brust, dann formte sie die Lippen zu einem Kussmund. ,,Lass den Quatsch." Sagte ich ruhig, ich schob sie behutsam von mir weg und versuchte sie weiter mit mir mit zu ziehen, aber sie blieb stehen. ,,Stop", ihre Mundwinkel bewegten sich und sie suchte verzweifelt meinen Blickkontakt. ,,Ich will mit dir schlafen." Ihre Stimme war ruhig, sie klang fast ernst. Ich verdrehte die Augen, doch das tat ich nur, um das mulmige Gefühl in mir zu überspielen. ,,Komm jetzt", forderte ich sie auf und streckte ihr meine Hand entgegen. ,,Komm du zu mir." Ihre Worte waren nuschelig und sie fing an, an ihren Knöpfen herum zu spielen. Was auch immer der Mistkerl ihr gegeben hatte, es war schrecklich. Es hatte sie in jemanden verwandelt, der sie nicht war, sie wusste nicht was sie tat. Ich schaute ihr eine Weile zu, wie sie da stand, hin und her schwankte, nicht einmal in der Lage war, den Knopf an ihrem Oberteil zu öffnen. Ich war komplett ratlos. Plötzlich stolperte sie nach hinten und fiel auf den Boden. Ich reagierte sofort, versuchte noch, sie aufzufangen, doch sie war schon gelandet. Ein jammern entwich ihr und sie legte sich auf die Straße. ,,Komm jetzt", ich versuchte, sie an beiden Armen wieder hoch zu ziehen, aber sie zog sich nach unten. Dabei rutschten ihre Ärmel runter und eine lange Narbe zeigte sich auf ihrem Arm. Eine Narbe, die ich noch nicht kannte. Ein Schauer lief mir über den Rücken. 
Reflexartig ließ ich ihre Hände fallen, der Kloß in meinem Hals wuchs. Als hätte ich die Narben geöffnet, drehte sie sich verkrampft auf die linke Seite und zog die Knie an die Brust, wie ein kleines Kind. Dann fing sie an zu weinen. Ich sah keinen anderen Ausweg, als sie zu tragen. Mit beiden Armen nahm ich sie hoch, genauso wie an dem Tag, als ich sie in den Teich getragen habe und sie geschrien hat wie am Spieß. Doch jetzt lag sie fast leblos, weinend in meinen Armen. Ihre Arme hingen schlaff an meinem Körper, man konnte ihre Knochen spüren und ich hatte eine perfekte Sicht auf ihre Narben. Ich versuchte sie zu ignorieren, doch in meinem Augenwinkel leuchteten sie als wollten sie mir die Schuld für ihren Schmerz geben. 
Mit jedem Schritt wurde sie schwerer, ihr Atem leiser und meine Angst um sie größer. Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir endlich mein Haus. Alles war komplett dunkel und ich hoffte einfach nur, dass ich niemanden aufwecken würde. Ohne groß zu überlegen zog ich ihr im Badezimmer die Klamotten über den Kopf, allerdings war mein Respekt vor ihr zu groß und deshalb setzte ich sie in Unterwäsche in die Badewanne. Dann stellte ich das Wasser an und duschte sie erst kalt und dann lauwarm ab. Anschließend wickelte ich sie wie ein kleines Kind in ein Handtuch und suchte ihr den wärmsten Pullover, den ich besaß, und eine Jogginghose. Eine Weile schaute ich sie an, sie saß zusammengeklappt auf dem Fußboden und regte sich nicht. Meine Angst wurde immer größer. Doch plötzlich riss sie die Augen auf, ihr Blick war geschockt, sie wurde Blass und jammerte panisch auf. Bevor es zu spät war, zog ich sie zum Klo und hielt ihr Haar nach hinten. Sie erbrach und ich atmete erleichtert auf, sie lebte. 
Es war fünf Uhr morgens, ich war immer noch wach und Melia lag schwankend zwischen Schlaf und sinnlosem Gerede in meinem Bett. Sie erzählte mir von ihrem Vater, von Susan und von Alkohol. Dann erzählte sie mir von den Sachen, die sie schmeckte, was sie dachte, wenn sie rauchte und wie die Stille sich für sie anhörte. Ab und zu fragte sie mich, ob ich Ben kannte. Und immer wenn ich sagte, dass ich Ben war, schwieg sie, oder sie sagte, dass sie mich vermisste, und manchmal fragte sie auch: ,,Kennst du Ben?" Und dann antwortete ich mit Ja. Und dann sagte sie: ,,Glaub mir, der ist das Beste aber auch das Schlimmste, was mir jemals passiert ist." All das sagte sie in ihrer leisen, zerbrechlichen Stimme, und um ehrlich zu sein wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. 
Der Wind wehte an meinen Rolladen. Melia war still geworden. Sie lag in meinem Bett, ich saß davor und schaute sie an. Sie sah mich nicht, aber ich konnte einen kleinen Lichtschein in ihren Augen erkennen. Ich kontrollierte, ob sie schlief oder nicht, und dabei fielen mir selber die Augen zu. Als sie endlich ihre Augen schloss, legte auch ich mich hin. Auf den Fußboden. Er war hart, aber es ging nicht anders. Allerdings konnte ich nicht schlafen. Ich lauschte ihrem Atem, vergaß fast selber zu atmen. Ich musste kontrollieren, ob sie noch da war, ob sie noch atmete. 
Melias Sicht:
Als ich wach wurde, war ich schweißgebadet. Meine Kehle brannte, mein Körper war nass und mein Kopf brummte. Mir lag ein allzu bekannter Geruch in der Nase, der Geruch von Kippen und Alkohol war ganz weit weg. Schreckhaft richtete ich mich auf, alles drehte sich und ich wusste nicht, wo ich war. Es dauerte eine Weile, bis meine Augen klare Sicht erfassten, und ich versuchte, nicht in Panik auszubrechen, denn ich war definitiv nicht da, wo ich sein sollte. ,,Alles in Ordnung?" Ich schaute nach rechts, Ben saß angelehnt an seiner Wand und schaute mich an. Er war blass, hatte Augenringe und rot schimmernde Augen. Verwirrt schaute ich ihn an, dann schaute ich an mir herunter. Ich trug Klamotten, die nicht mir gehörten und saß in Bens Bett. Dann schaute ich mich um, sein Zimmer war noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte. Ich wollte etwas sagen, doch meine Kehle war zu trocken, die Worte blieben mir im Hals stecken. Plötzlich überfiel mich eine Hitzewelle, und ohne groß nachzudenken zog ich mir den dicken Pullover über den Kopf. Darunter trug ich ein viel zu weites Top und bemerkte, dass meine Unterwäsche feucht war. Mich überkam ein Gefühl des Unwohlseins, ich dachte nach, hatte aber keine Ahnung, was mit mir passiert war. Wieso um alles in der Welt lag ich in Bens Bett, trug Klamotten, die mir nicht gehörten und nasse Unterwäsche? ,,Was ist passiert?" Meine Stimme war leise und kratzig und sie schmerzte. Ben reichte mir schnell eine Wasserflasche und ich trank. Das kühle Wasser linderte den Schmerz in meiner Kehle etwas. 
,,Wir waren doch in diesem Club, du mit Linda, ich mit den Jungs. Irgendwie hast du den ganzen Abend bei so einem Kerl gestanden und, joa, dann hat der dir irgendwas ins Getränk getan und du bist abgestürzt." Er schluckte, ich tat dasselbe. ,,Und dann?" ,,Dann seid ihr verschwunden, du und der Kerl. Ich bin euch gefolgt, hab euch zuerst aber nicht gefunden. Irgendwann bist du mir in die Arme gefallen, total aufgelöst und... fast ausgezogen." Meine Kinnlade fiel nach unten. Ich sah Bens Blick, er schaute an mir vorbei und schien mit den Gedanken völlig woanders zu sein. Ich wollte gar nicht wissen, was alles passiert war. Schnell schloss ich die Flasche und reichte sie Ben. Er öffnete sie und trank daraus.
Ich schaute vor eine schwarze Wand. Was hatte Ben gestern alles mit mir gemacht? Vermutlich hat er mich einfach gerettet, mir geholfen. Aber wer wusste das schon? Nur er. ,,Deine Wäsche ist übrigens nur nass, weil ich dich kalt abgeduscht habe." Er schien meine Gedanken lesen zu können. Ich nickte, brachte nicht einmal ein Danke heraus. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, wie ich reagieren sollte. Ich war in dem Zimmer eines Jungen aufgewacht, der meine ganze Person in der Hand hielt. Ohne es zu wollen. Ein Loch grub sich in meinen Brustkorb, ich hatte das Gefühl, mich einfach in Luft aufzulösen. Er schaute mich an, seine Blicke sagten so viel, und doch verstand ich kein Wort. Ich wusste nicht, ob links oder rechts, nach vorn oder zurück. Vielleicht verletzten ihn all die ungesagten Worte viel mehr, als meine Taten. Es brannte mir auf der Zunge. Ein einfaches Danke würde jetzt so viel sagen, aber es kam nicht. Vielleicht war die Last doch zu schwer auf meinen Schultern, auch wenn Ben sie vermutlich heute Nacht aufgefangen hat, als sie herunterzufallen drohte. Ich war zu blöd um zu bemerken, dass Ben die größte Stütze war, die ich je hatte, auch wenn wir Abstand voneinander hielten. 
Von eine auf die andere Sekunde schien Ben das alles völlig egal zu sein. Vielleicht war es meine Undankbarkeit, vielleicht war er einfach müde oder ihm stieg das alles selber über den Kopf. Es war 10 Uhr morgens, ich wusste nicht, wie lange ich geschlafen hatte. Ich bewegte mich keinen Zentimeter, ich konnte nicht. Ben knallte mir Wortlos meine Klamotten aufs Bett und sagte, ich solle rauskommen, wenn ich fertig bin. Dann verließ er den Raum. Im Schneckentempo zog ich mich um, jede Bewegung schmerzte in den Knochen. Ich schaute mich nochmal in seinem Zimmer um, erinnerte mich an die Momente, die wir in seinem Bett verbracht hatten. Wie wohl ich mich dort gefühlt hatte, und jetzt war es die Hölle. Von all dem Wohlbefinden keine Spur mehr. Bevor ich sein Zimmer verließ, atmete ich noch einmal seinen Geruch ein. Sein Zimmer schien der einzige Ort zu sein, wo es noch nach dem Ben roch, der nicht rauchte, und ich liebte diesen Geruch. 
Als er mich zur Tür brachte, bot er mir noch an, mich nach Hause zu bringen. Ich lehnte ab, aus Höflichkeit, und weil ich seine Anwesenheit jetzt nicht ertragen konnte. Er wandte nichts dagegen ein, wahrscheinlich wusste er meine Antwort schon, bevor er es mir angeboten hatte. Ich hatte nicht einmal eine Tasche bei mir, nur eine Jacke und das Outfit, das ich auf der Party trug. Auf dem Weg zur U-Bahn dachte ich an den gestrigen Abend. An den Club konnte ich mich noch erinnern, und an die Mädels. Dass Ben da war, wusste ich auch noch, aber mehr auch nicht. Es war schrecklich. Ich wollte mich am Liebsten unter der Erde begraben. In meiner Jackentasche fand ich meinen Hausschlüssel, eine Schachtel Kippen und mein iPhone. Als ich mein iPhone in der Hand hielt, atmete ich erleichtert auf. Zehn Anrufe in Abwesenheit von Linda, sie war jetzt eh noch am schlafen, als beschloss ich, sie später zurück zu rufen. Dann nahm ich die Schachtel Kippen, es war noch genau eine drin. Innerhalb von Sekunden qualmte der Zigarettenrauch aus meinem Mund. 
Die Luft war frisch, und das tat gut. Gleichzeitig fiel mir auf, wie ironisch es war, die frische Luft, die meiner Kehle so gut tat, mit Zigarettenrauch zu betäuben, was meiner Kehle auch nicht so gefiel. Um mich von dem Schmerz in meiner Kehle abzulenken, versuchte ich mir vorzustellen, was in der Nacht alles passiert war. Vielleicht hatte Ben meine Taubheit ausgenutzt, vielleicht hatte er sich auch liebevoll um mich gekümmert. Bei diesem Gedanken zog sich etwas in mir zusammen, das mich gleichzeitig zum lächeln bringen wollte, aber auch zum kreischen. Es war zum kotzen. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 34
Bens Sicht:
Ich hatte die Woche gut überstanden. Bis auf Montag war ich Melia ziemlich gut aus dem Weg gegangen, auch wenn es mir schwer gefallen war. Ich hatte mit Sondre, einem meiner besten Freunde aus Norwegen geschrieben, und ihm alles erzählt. Normalerweise behielt ich Gefühlsdinge immer für mich und versuchte selber, damit klar zu kommen, aber dass ich angefangen hatte zu rauchen, bedrückte mich doch schon irgendwie. In dem Ort in Norwegen, in dem ich Jahrelang gewohnt hatte, waren fast alle meiner Freunde ziemlich sportlich. Rauchen war für die Meisten ein absolutes Tabu, weil es der Gesundheit schadete. So erstaunt reagierte Sondre dann auch, als ich ihm erzählte, dass ich angefangen hatte. Irgendwie musste ich ihm ja dann auch erklären, wieso ich überhaupt angefangen hatte, denn ich würde es ja sonst selber nicht verstehen. Er riet mir, mich von ihr fern zu halten, auch wenn es nicht leicht war. Und das versuchte ich dann auch. 
Das Wochenende kam schnell und ich saß mit meiner Mutter am Samstag morgen alleine am Küchentisch. Meine Schwester ging jeden Samstag zum Reiten und mein Vater war über das Wochenende beruflich verreist. Ich hatte zwar schon fertig gegessen, blieb aber noch sitzen. Ich ließ meine Mutter nicht gerne alleine am Tisch sitzen, das war unhöflich, außerdem wäre ich in meinem Zimmer auch nur alleine und darauf hatte ich keine Lust. ,,Was steht denn heute noch bei dir an?" Wollte sie wissen. ,,Nichts." Ich blätterte in der Zeitung und überflog einige Anzeigen. Vandalismus an Berliner U-Bahnstationen. ,,Schon wieder nichts?" Ich schüttelte den Kopf. ,,Hast du denn niemanden aus deiner Stufe, mit dem du was unternehmen könntest?" Sie durchlöcherte mich regelrecht mit Fragen, das tat sie immer. Aber es machte mir nichts aus, schließlich sorgte sie sich auch nur. ,,Doch", sagte ich abwesend. ,,Aber?" Ich wartete kurz, bis mir eine Antwort einfiel. Aber da mir keine Gute Ausrede einfiel, sagte ich wie es war. ,,Hab keine Lust raus zu gehen." ,,Ach Ben, das kann doch jetzt nicht dein Ernst sein?" Sie schaute mich enttäuscht an. ,,Du kannst dich doch nicht verkriechen wie so ein Regenwurm!" ,,Na und?" Was sollte ich sonst tun? Ich hatte meiner Mutter vom Rauchen nichts erzählt, niemandem. Aber sie wussten es trotzdem, glaubte ich. ,,Du bist echt in einem scheiß Alter." Das kam stumpf. Ich schaute sie an, meine Mutter war bekannt dafür, dass sie sagte, was sie dachte. ,,Ich kann auch nicht wieder jünger werden, und schneller altern schon gar nicht." Ich wusste, wie sie es gemeint hatte, trotzdem hatte ich das Bedürfnis, eine stumpfe Antwort zu erwidern. ,,Nein, so mein ich das doch nicht. Ich mein, Jung zu sein, hat natürlich auch negative Seiten." Ach ehrlich. ,,Aber da muss jeder durch. Es ist doch alles das selbe, wie bei einer Achterbahn. Erst biste oben, und wenn du dann unten bist, und sich nichts bewegt, ist dir übel und schwindelig. Und was macht man dann? Abwarten. Irgendwann ist es vorbei, aber vom rumsitzen geht's auch nicht schneller. Entweder man isst Zwieback, oder trinkt Tee, oder nimmt vielleicht Medizin. Klar hört die Übelkeit irgendwann auf, wenn man wartet. Aber wenn man was tut dann geht's auf jeden Fall schneller vorüber." Ich schaute meine Mutter verblüfft an. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? 
Ich hing jetzt also vor meinem PC und schrieb ein paar Freunden bei Facebook, ob heute Abend irgendwas los war. Vielleicht hatte meine Mutter recht. Ablenkung und Leute waren gegen Übelkeit vielleicht nicht mal so eine schlechte Lösung. Enttäuschenderweise waren alle meine Freunde heute Abend in der Soccer-Halle Fußball spielen, und darauf hatte ich ehrlich gesagt keine Lust. Zum Glück fiel mir Maximilian ein, mit dem ich mich sonst auch immer gut verstanden hatte. Ich schrieb ihm direkt und es kam auch direkt eine Antwort. Er hatte mir schon mal gesagt, dass man, als ein Student wie er, immer wusste, wo was lief, und bis jetzt behielt er Recht. 
Melias Sicht: 
,,Heeeeeeeeeeeeeeeeeeeey!" Ertönte Lindas lebensfrohe Stimme aus dem Hörer. ,,Mhhh?" Grummelte ich. Vor fünf Minuten hatten meine Augen das Licht des Tages erblickt, unmittelbar danach bekam ich diesen Anruf. ,,Liegst du noch in den Federn?" ,,Sieht wohl so aus." Gähnte ich. ,,Wie auch immer. Folgendes; Heute ist Samstag, das heißt morgen ist Sonntag. Wir gehen feiern!" Linda schien mehr als motiviert zu sein. ,,Und wo?" Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber was erwartete sie, fünf Minuten nach dem ich aufgewacht war. ,,Im MambaMamba." ,,Was is 'n das?" ,,Glaub mir Melia, das ist der krankeste Schuppen in Berlin. Den kennt kein Arsch, außer die Studenten, und da läuft nur Studenten Volk herum, also; perfekter Ort für Ablenkung, neue Leute und Co.!" Ich überlegte einen Moment, hörte sich ja eigentlich nicht schlecht an. ,,Aber, wie stellst du dir vor, mit einer noch nicht Achtzehnjährigen, darein zu kommen?" ,,Ach, die nehmen das da nicht so Ernst mit der Security, außerdem stehst du dank mir auf der Gästeliste, bedank dich einfach später." Sie lachte und auch ich musste lachen. Linda war echt ein Goldstück. Ich beschloss einfach nicht weiter nachzufragen, machte mit Linda eine Uhrzeit aus, schwang mich aus dem Bett und versuchte den Tag mit so viel Motivation, wie nur möglich,  zu starten. 
Es ging mir außergewöhnlich gut heute. Nach dem Frühstück und meiner Dusche ging ich sogar mit Susan und Jamila ein paar Einkäufe erledigen. Wir fuhren mit dem Auto zum nächsten Supermarkt, suchten uns mit Susan aus, was wir essen wollten, kauften Süßigkeiten und bettelten, wie kleine Kinder, um noch mehr Süßes. Am Ende kaufte Susan Jamila und mir ein Ü-Ei und als ich ihr erzählte, dass ich heute Abend feiern ging, fragte sie mich sogar, ob sie mir den Alkohol noch eben holen sollte, da wir sowieso schon hier waren. Aber ich lehnte ab, Linda hatte sich um alles gekümmert und wenn ich ehrlich war, wollte ich nicht zu den harten Sachen greifen, wenn Susan daneben stand. 
Da Papa nicht zuhause war, machten wir drei uns gegen fünf Uhr was warmes zu essen, setzten uns ins Wohnzimmer und schauten einen Film. Allerdings bekamen wir nicht so viel vom Film mit, da wir die ganze Zeit redeten und lachten. Susan schien ziemlich zufrieden zu sein, denn es war das erste Mal, dass sie so viel Zeit mit Jamila und mir zusammen verbrachte, und vor allem war es das erste Mal, dass es uns allen gefiel. 
Um acht Uhr saß ich fertig für die Party in der U-Bahn auf dem Weg zu Linda. Es war voll, viele Junge Leute wollten heute wohl feiern gehen. Der Geruch von Bier und Döner flog durch die sowieso schon stickige Luft der U-Bahn. Ich war froh, als ich dem Gerumpel der U-Bahn fliehen konnte und bei Linda vor der Haustür stand.
 In Lindas Wohnzimmer saßen schon Merle, Sandra und Lucie. Wir waren also zu fünft. Linda erzählte mir, dass die Jungs auch erst zum Vorglühen kommen wollten, sich dann aber doch entschieden hatten, es separat zu machen, da ein Bundesligaspiel lief und wir nur stören würden. Ich wusste nicht ob Linda und Max Streit hatten, auf jeden Fall schien Linda überhaupt nicht mehr so motiviert wie heute morgen am Telefon, woran auch immer das lag.
Lindas Laune verbesserte sich schlagartig, nachdem sie ihr erstes Glas getrunken hatte. Sie schluckte die Spannung, die vorher noch auf ihrem Körper zu sein schien, einfach herunter und trank ein Glas nach dem anderen. Heute ausgelassen feiern, so war das Motto, fand Linda. Ich versuchte ihr zuzustimmen und trank auch immer mehr. Gegen elf verließen wir die Wohnung und fuhren mit der U-Bahn zu dem Schuppen, von dem Linda mir erzählt hatte. Wir waren alle fünf echt gut dabei, ich merkte den Alkohol und wusste, dass ich betrunken war. Trotzdem versuchte  ich mich zu beherrschen. 
Linda behielt Recht, wir kamen Problemlos in den Club. Es war extrem voll. Überall waren junge Leute, die Theken waren besetzt bis zum geht nicht mehr und auch die Tanzfläche schien überfüllt. Es war ziemlich dunkel, überall dröhnte laute Musik und rauch lag in der Luft. Die Luft war schrecklich aber das machte uns nichts aus. Hauptsache die Musik war lauter als die Gedanken in meinem Kopf. Wir rannten auf die Tanzfläche, was ungewöhnlich für mich war, aber es machte Spaß und ich ließ es mir gut gehen. Ich tanzte sogar mit einem Kerl, der Tim hieß, etwas klein, ganz kurze blonde Haare und blaue Augen hatte, also genau das Gegenteil von Ben. Aber das machte mir nichts, heute wollte ich nur meinen Spaß haben. 
Eine rauchen, das war das, was ich jetzt brauchte. Ich schlängelte mich von der Tanzfläche und lief durch eine geöffnete Tür nach draußen in den Raucherbereich. Lucie folgte mir und zusammen rauchte wir. Wir standen an einem Stehtisch und unterhielten uns. Plötzlich kam Linda wie verrückt auf uns zu gerannt. ,,Wo ist Maxi?" Rief sie im vorbeirennen. Lucie deutete mit dem Finger hinter uns, sie schien Max schon gesichtet zu haben, den ich noch nicht einmal bemerkt hatte. Linda und Max sahen sich, sie rannten auf einander zu und fielen sich in die Arme. Dann fingen sie wild an zu knutschen. ,,Was ist denn bei denen los?" Fragte ich verwundert. ,,Ach keine Ahnung." Lucie winkte ab. ,,Ich glaub die hatten heute Stress, gleich gibt es bestimmt Versöhnungssex." Ich schluckte, schon komisch die Menschen. Plötzlich erstarrte ich. Braune Augen erblickten mich und ein mir allzu bekanntes Gesicht schaute mich an. Schlagartig wurde mir ein Messer in die Brust gerammt. Da stand Ben, mit einer Kippe im Mund. Sein Mundwinkel zogen sich nach oben, er lächelte mich an. Das Feuer in mir drin loderte wieder auf, ich wusste nicht, ob ich schmolz oder verbrannte. Mit starren Blick schaute ich ihn an, ausdruckslos. Er war so wunderschön. 
,,Erde an Melia, bist du noch da oder innerlich schon im Alkohol versunken?" Lucie winkte mit ihren Händen vor meinem Gesicht. ,,Ich... äh", stotterte ich. ,,Ach nichts." Ben hatte seinen Blick von mir gelöst, ich hatte auf sein lächeln nicht reagiert. Ich schluckte den Kloß runter, der mir mittlerweile die Atemwege blockierte, und konzentrierte mich darauf, jetzt nicht die Kontrolle zu verlieren. Ich spürte den Druck auf meiner Brust und das Gefühl mich irgendwo zu verkriechen, wo ich von Geräuschen, Gedanken und Gefühlen geschützt wurde. Plötzlich tauchte Tim hinter mir auf, er war fast kleiner als ich, und trotz Ben in meinem Rücken versuchte ich mit ihm zu flirten. Er war echt nett und lud mich zu einem Getränk ein. Ich folgte ihm zurück in den Club und ließ Lucie einfach stehen, die mir total perplex hinterher schaute. Irgendwie verspürte ich ein schlechtes Gewissen, ich konnte doch nicht mit einem Kerl was trinken gehen, der vermutlich nur seinen Spaß haben wollte, wenn der Junge den ich liebte, und der mich womöglich immer noch liebte, zehn Meter von mir entfernt stand. Tim bestellte zwei Cola-Korn, einen für ihn und einen für mich. Ich drehte mich um und tat nicht allzu interessiert, aber das schien Tim nicht zu interessieren. Er konzentrierte sich auf die Gläser und drückte mir mein Glas in die Hand. Wir stießen an und ich versuchte locker zu wirken, als er mir in die Augen schaute. Wir unterhielten uns, und Schluck für Schluck spürte ich, wie der Druck von meinen Schultern fiel. Tims Hand wanderte an meine Hüfte und wenn er mir etwas erzählte, kam er ganz nah an mein Ohr. 
Nach einer Weile bekam ich plötzlich ganz schreckliche Kopfschmerzen, vor meinen Augen war alles verschwommen. ,,Ist alles okay?" Tim beugte sich vor, er war mir ganz nahe. ,,Ich glaub ich geh mal kurz zur Toilette." Mit diesen Worten wandte ich mich von ihm ab. Durch die Menge suchte ich die Toiletten, konnte mich aber nicht so schnell orientieren. Überall liefen Menschen umher, es war dunkel und vor meinen Augen nebelig. Ich spürte zwei Hände an meinen Hüften, dann Lippen an meinem Ohr. ,,Ich helfe dir." Es war Tim, er führte mich zur Toilette und hielt mir alle Türen auf. Ich dankte ihm leise, wusste aber nicht, ob er es gehört hatte. Torkelnd lief ich in eine der Kabinen. Die Wände waren bemalt und sowieso war hier alles total runtergekommen. Ich drehte mich um und stockte. Tim hatte sich mit in die Kabine geschlichen. Er stand jetzt vor mir, die Tür hinter ihm hatte er verschlossen. ,,Äh..." Wollte ich gerade einwenden. ,,Pscht." Sagte er. Er legte mir einen Finger auf die Lippen. Dann packte er mich an den Schultern, drückte mich gegen die Wand der Toilette und presste seine Lippen auf meine. Das alles passiert so schnell, dass ich gar keine Chance hatte mich zu wären. Er steckte mir seine Zunge in den Hals und suchte verzweifelt nach Erwiderung. Aber ich rührte mich nicht, alles was ich spürte war der Schmerz in meinem Kopf. Mein Körper war wie erstarrt, ich stand total unter Schock. Ich presste die Lippen zusammen, wollte seine nicht mehr spüren. Er machte sich an meinem Hals zu schaffen, küsste sogar meinen Ausschnitt. Ich wollte schreien, aber der Schmerz ließ mich nicht. Mir wurde übel bei dem Gedanken, dass er die gleichen Stellen mit seinen widerlichen Lippen berührte, die Ben lieb gekostet hatte. Plötzlicher griff er noch härter zu, er packte mich am Arm und mir entfuhr ein leises quieken. Er zog mein Oberteil aus meiner Hose und öffnete den Kopf. ,,NICHT!" Schrie ich. Das wurde mir zu viel. Panisch versuchte ich mich zu wehren, ich schmiss meine Hände durch die Luft und versuchte aus zu treten. Aber er war stärker. Ich hatte das Gefühl, dass er meine Hüfte zerdrückte. Meine Haut war dünn, genauso wie meine Knochen, und ich war schwach. ,,Halt still!" Zischte er. Ich schrie. ,,Hilfe!" Aber niemand hörte es. Die Toilette war leer, verdammt ungewöhnlich für einen Club. Von draußen hörte ich die Musik. ,,Hilfe" wimmerte ich jetzt. Seine widerlichen Hände wanderten in meinen Schritt, ich kniff die Beine zusammen. Ich trampelte und schlug um mich. Mit all der Panik in mir wurde ich stärker und unvorsichtiger. Ich traf ihm im Auge, am Ohr und zog an seinen Haaren, bis ich irgendwann die Gelegenheit ergriff und ihm in den Schritt trat. Er jaulte. Ich packte den Türknauf und schloss auf. Dann stürmte ich Tränenüberströmt aus der Toilette und lief einem Jungen direkt in die Arme. ,,Wo ist Ben?" Hörte ich mich unter Tränen schreien. 
Bens Sicht:
Ich hätte eher eingreifen müssen. Als ich bei den Rauchern stand, konnte ich sehen, wie sie mit diesem Mistkerl an der Bar stand. Und ich hab gesehen, wie er etwas in ihr Getränk getan hat. Ich weiß nicht was es war, es waren nur ein-zwei Tropfen. Da hätte es bei mir schon klingeln müssen. Aber erst als sie verschwunden sind, bin ich ihnen gefolgt. Ich wusste nicht, was sie vor hatten, aber ich wusste, dass Melia einen Fehler machen würde. Ich bin ja nicht davon ausgegangen, dass er sie misshandeln wollte. Und dann hab ich sie verloren. Ich bin in alle Räume gestürmt, bis ich irgendwann ihre Stimme gehört habe. Die Wut in mir war am beben. Alleine die Vorstellung, was er mit ihr anstellen würde, brachte mich zum beben. Ich folgte ihrer Stimme, die zwischendurch verstummte. Der Druck auf mir wurde größer und ich hätte am liebsten alle Wände eingerammt, um schneller bei ihr zu sein. 
Als ich dann eine Treppe fand, die in den Keller führte, war sie schon fast bei mir. Sie stürmte aus einer Tür und lief mir direkt in die Arme. Sie konnte kaum noch laufen und war total am zittern. Ihre Haaren waren zersaust, ihre Klamotten halb ausgezogen und sie weinte. Nein, sie schrie. 
,,Wo ist Ben?!" Schrie sie mich an. ,,Wo ist er?" Schluchzte sie wieder. ,,Melia, ich steh vor dir!" Sie schaute mich an und fing noch mehr an zu weinen. ,,Wo ist Ben? Wo ist Ben? Er hat mich im Stich gelassen. Wo ist Ben? Ich brauche Ben." Sie wehrte sich und wollte von mir los, ich umschlang sie mit beiden Armen. ,,Pscht." Sagte ich. Es war fast schlimmer, als die Sache mit Sarah. Ich spürte den Klos in meinem Hals, so konnte ich sie einfach nicht sehen. ,,Ich bin doch da." ,,Ich will zu Ben." Ihr schluchzen wurde leiser, aber sie hörte nicht auf zu weinen. Plötzlich fiel mir der Typ ein, der sie weggeschleppt hatte und ich spürte wieder die Wut. Ich war drauf und dran in die Toilette zu stürmen und ihm Rache zu geben, aber erstmal musste ich Melia hier wegkriegen. Allerdings war sie total am zittern und extrem starr. Also trug ich sie einfach die Treppe hoch. Als wir wieder oben waren musste ich sie stützen, denn alleine konnte sie nicht laufen. Sie torkelte und schien immer noch nicht alles wahr zu nehmen. Ich konnte sie auf keinen Fall hier stehen lassen, den Kerl hatte ich schon längst vergessen, sollte er doch verrotten auf der Toilette. Mit Melia im Arm lief ich nach draußen zu den anderen, die teilweise immer noch am Rauchen waren. ,,Wie spät haben wir es?" Fragte ich. Alle schauten ziemlich verwundert rein, und als Linda Melia sah schrie sie auf. ,,Was ist mit Melia passiert?!" ,,Kurz nach drei." Hörte ich jemanden aus der Menge sagen. Linda kam zu uns gerannt, sie war total durch und auch nicht mehr in der Lage irgendetwas zu Stande zu bringen. Max lehnte gegen einer Wand und schaute Linda hinterher, er war dafür zuständig, dass sie heil nach Hause kam, und ich wusste er würde das schaffen. ,,Ich bring sie nach Hause!" Sagte Linda voller übermut. Ich schüttelte den Kopf. ,,Pass mal kurz auf." Kurzerhand stellte ich Melia neben Linda, die sie direkt stützte. Dann lief ich zu Max und erzählte ihm, was soeben passiert war. Er schluckte und guckte mich geschockt an. Ich versicherte ihm, dass ich Melia jetzt unterbringen würde und verabschiedete mich von allen. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 33
,,Wenigstens hast du es versucht." Seufzte Susan, als sie vor einer roten Ampel hielt. Ich sagte nichts. In mir drin herrschte Stille. Alles, was sich in den Ferien hinter einer Mauer versteckte hatte, schien nun zerquetscht unter den einzel Teilen der in sich einander gefallenen Mauer zu liegen. Es war zwecklos wieder von vorne zu beginnen. 
Ich saß an meinem Schreibtisch und machte gar nichts. Ich hatte es mit lernen versucht, doch es klappte nicht. Die Stille in mir drin übertönte meine Gedanken. Alles, was ich tat, war, gegen die weiße Wand zu starren. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, ich wusste nur, dass es weiter gehen musste. Mein größter Wunsch war, glücklich, ohne Angst bei Ben zu sein. Mit ihm zu sein. Doch das ging nicht. Denn den Gedanken zu haben, dass er irgendwo doch nur meinen Körper wollte, konnte ich nicht ertragen. Ich war verdammt empfindlich bei sowas. Ich wollte einfach nicht, dass mein Körper für solche Zwecke benutzt wurde. Denn niemand, wirklich niemand, würde meinen nackten Körper zu sehen bekommen, bevor er nicht meine nackte Seele gesehen hatte. Ich wusste, dass Jungs mit sowas oft anders umgingen als Mädchen, aber das hieß noch lange nicht, dass jedes Mädchen da mitspielte. Ich auf jeden Fall nicht. 
Ich gab mein Bestes, klaren Kopf zu fassen. Wenn niemand da war, musste ich mir eben selber helfen. Plötzlich war es mir egal, dass Linda sich nicht gemeldet hatte, und es war nicht Lisa die ich anrief, sondern Linda. Linda schien mir um einiges hilfreicher als Lisa und ich musste jetzt einfach die sein, die den ersten Schritt machte. ,,Melia?" Meldete sich Linda. Ich schwieg kurz, weil ich nicht wusste, wie ich anfangen sollte. ,,Sag mal... Hast du heute noch irgendwelche Vorlesungen?" ,,Nönö, heute nicht mehr. Aber halt mal, wieso meldest du dich so unangekündigt? Ich hab mega lange nichts mehr von dir gehört." ,,Soll ich vorher noch schreiben, dass ich mich melde, oder was?" Versuchte ich mit Humor die angespannte Stimmung in meiner Kehle zu lockern. ,,Nein Spaß, aber ich... ich brauch glaub ich jemanden zum Reden." Am anderen Ende der Leitung war es Still, ich hatte das Gefühl Linda denken zu hören. ,,Ja klar, zum Reden bin ich immer gut. Komm vorbei." Ich war so dankbar, dass Linda so viel Selbstbewusstsein hatte. Wie von selbst viel die Spannung von mir und wir machten eine Uhrzeit ab. 
,,Also, da du, so verklemmt wie du aussiehst, wahrscheinlich nicht von alleine mit der Wahrheit rausrückst, rate ich einfach mal." Linda schloss die Haustür hinter sich, aus der sie gerade Maximilian geschickt hatte, der bei ihr zu Besuch war, bevor ich kam. Sie hatte wohl direkt bemerkt, dass es etwas war, worüber ich eigentlich nicht reden wollte, es aber nur aus unerklärlichen Gründen tat. Ich saß in ihrer kleinen Küche, in ihrer kleinen Studentenwohnung, irgendwo in Berlin. Ich mochte ihre Wohnung. Sie war schlicht und modern und hatte irgendwie was Sommerliches an sich. Ich saß auf einem Barhocker an einem Esstisch, der auch als Stehtisch durchgehen könnte, aber super in die Küche passte. ,,Bist du Schwanger?" Die Frage kam direkt und ich wusste erst nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Erschrocken schüttelte ich mit dem Kopf. Plötzlich wurde mir klar, dass Linda mein Problem wahrscheinlich für total kindisch und dumm halten würde. Klar, ich hatte irgendwie Liebeskummer, aber war das wirklich so dramatisch? Außerdem hatte Linda vermutlich fast täglich Sex, schließlich war sie auch schon erfahrener als ich. Und ich drehte schon am Rad, wenn mein Freund sagte, dass er mit mir ins Bett gehen würde. Meine Reaktionen darauf, würde Linda wahrscheinlich nicht nachvollziehen können, wenn sie meine Geschichte nicht kannte. Wenn sie wüsste, was Körper Nähe für mich hieß, wenn sie wüsste, was nackte Haut für mich bedeutete, dann würde sie das vielleicht verstehen. Also entschied ich mich, alles etwas zu verharmlosen. 
,,Ben und ich haben Schluss." Kurz und knackig, so musste das. Linda setzte ihre Tasse Cappuccino ab und starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. ,,Aber", stammelte sie dann. ,,Aber ihr habt euch so... so ergänzt." Sie wurde immer leiser. Ich schluckte und wusste nicht, wie ich fortfahren sollte. Aber aus Linda sprudelte es nur so heraus. ,,Das tut mir echt Leid, Süße. Sowas ist echt ätzend. Ich hab das auch schon einige Male gehabt und es ist zum kotzen. Weißt du, ich bin da schon irgendwie froh, dass du dich bei mir gemeldet hast. Wir hatten jetzt zwar länger keinen Kontakt mehr, aber ich bin gerne für dich da, weil du mir wichtig bist. Also, wenn was ist, ich bin immer für dich da!" Worte, die wahrscheinlich jedes Mädchen von ihrer besten Freundin zu hören bekam, wenn sie Kummer hatte. Aber für mich war es das erste mal, dass eine Freundin mir sowas sagte. Ich lächelte ,,Danke." ,,Jetzt erzähl doch bitte mal. Also, wieso habt ihr denn Schluss?" ,,Ehm," stammelte ich. ,,Weißt du noch die Party? An der wir uns das letzte mal gesehen haben?" Linda runzelte zuerst die Stirn, dann nickte sie aber. ,,Stimmt. An dem Abend hab ich dich glaub ich noch gesucht, du warst ziemlich schnell weg. Aber das ist ja schon ein paar Wochen her und ich war in der Nacht glaub ich auch ziemlich gut dabei." ,,Ja, genau. An dem Abend haben wir uns irgendwie gestritten. Ich war dann irgendwie total fertig und bin zu einer Freundin gegangen, bei der ich übernachtet habe. Am nächsten Morgen bin ich zu Ben um meine Sachen zu holen. Und irgendwie... irgendwie konnte ich..." Linda schaute mich ruhig an, ihr Blick zwang mich nicht, die Worte zu sagen, sie merkte, dass es mir schwer fiel. Ich gab mir Mühe und versuchte ihr zu vertrauen. ,,Ich konnte mich plötzlich nicht mehr wohlfühlen ihm gegenüber. Und ich hatte das Gefühl, dass ich noch gar nicht so bereit bin für eine Beziehung so einer Art bin." ,,Ja okay." Es war komisch, dass sie nur zwei Wörter sagte, aber sie schien zu überlegen. ,,Ich glaub, ich verstehe, wie du dich fühlst." Sie nahm ihre Tasse und trank daraus. ,,Wenn ich das Richtig verstehe, bist du Jungfrau?" Ich nickte. ,,Melia, ich weiß du bist jünger, und ich denke irgendwie, da ich ja auch mehr Erfahrung hab, kann ich dir helfen. So weißt du, große-kleine Schwester Prinzip." Ich zuckte mit den Schultern. Eigentlich war ich ja die große Schwester und ich kannte es nicht, dass jemand einem Ratschläge geben konnte oder einen verstand. ,,Weißt du was wichtig ist? Dass du dich wohlfühlst. Und solange du das nicht tust, musst du auch nichts machen. Es ist dein Körper, und deine Entscheidung. Und wenn du kein Bock auf sowas hast, dann lässt du es sein. Klar?" Ich nickte. Ihre Ansage war locker, aber ich verstand was sie sagen wollte. ,,Wie... Wie hast du herausgefunden, dass es um Sex geht?" Schließlich hatte ich es nirgendwo erwähnt. ,,Keine Ahnung, ich hab geraten. Manchmal merkt man sowas einfach, und glaub mir, ich hatte auch mal das Problem, als ich noch Jungfrau war. Ich glaub viele Mädels kämpfen damit, weil Jungs sowieso viel schneller bei sowas sind." Ich war erleichtert, und dachte, dass das Thema hiermit beendet war. Es tat gut, Zuspruch zu finden und irgendwie fühlte es sich echt an, wie das große-kleine Schwestern Prinzip. Aber Linda harkte weiter nach. ,,Und weswegen habt ihr euch jetzt gestritten?" Ich zögerte, sollte ich das erwähnen? Irgendwie vermutete ich, dass Linda meine Reaktion als überreagiert bezeichnen würde, und das wollte ich nicht. ,,Ja weil..." Die Wörter blieben mir ihm Hals stecken. So kannte ich mich gar nicht. So kleinlaut und unbewusst. Klar, mir ging es nicht gut, und irgendwie konnte ich mich auch nicht wirklich öffnen. Aber von dem geradeaus eiskaltem Mädchen das mal in mir steckte, war nicht mehr viel übrig. Entweder legte ich meine Gedanken auf den Tisch oder ich zeigte Linda, dass ich zu Blöd war um sie auszudrücken. Irgendwie machte mich das wütend, aber ich versuchte mich zusammen zu reißen und plötzlich platzte es aus mir heraus und ich redete ohne Punkt und Komma. ,,Ja weil er sich mit irgendwem unterhalten hat und plötzlich über Sex geredet hat und irgendwie hab ich das mitbekommen und er hat es so komisch dargestellt und ich kam mir so komisch vor, so blöd hingestellt. Natürlich hat er nicht gemerkt dass ich zugehört habe und als er mich dann gesehen hat hat er ziemlich blöde aus der Wäsche geguckt. Ich weiß auch nicht, irgendwie hab ich mich so billig gefühlt, auf jeden Fall hat er mich so dargestellt oder vielleicht wollte er es auch nicht aber er hat es getan und er kann es nicht rückgängig machen und ich auch nicht aber es waren irgendwie so Worte die mich unter Druck gesetzt haben. Er hat gesagt dass es mal langsam Zeit wird und mal sehen was sich da so machen lässt und niemand, wirklich niemand hat mich gefragt!" Als ich meine Monolog beendete war ich völlig außer Atem. Linda hatte zugehört und schaute mich mit einem entsetzten aber auch erschrockenen Blick an. ,,Und dann habt ihr euch gestritten?" Ich nickte nur, denn mir blieb immer noch die Puste weg. 
Linda schlug vor, dass ich mit Ben reden sollte. Ich nahm ihren Rat an, aber irgendwie verstand sie das nicht und ich konnte es ihr auch nicht erklären. Wie sollte ich sagen, dass es verdammt schwer war und dass ich mit mir selber kämpfte? Ich konnte mit Ben nicht einfach über meine Gefühle reden. Das war alles viel leichter gesagt, als getan. Natürlich hatte ich Linda nicht erzählt, dass Ben jetzt rauchte. Vermutlich machte sie daraus auch nicht so ein riesen Ding, wie ich. Aber ich hatte immer noch ein schlechtes Gewissen. Ich wusste, dass man nicht so einfach aufhörte, wenn man einmal angefangen hatte, und ohne mich hätte Ben womöglich überhaupt nicht angefangen. 
Linda und ich machten uns noch einen coolen Abend auf ihrer Couch und bestellten Pizza. Wir schauten irgendeine Serie, die Linda gerne schaute. Es war fast ein richtiger Mädels-Abend, wie man ihn sich vorstellte, und es gefiel mir. Ich hatte sowas vorher nie gemacht. Meine Abende, besonders am Wochenende, hatten meistens nur aus Alkohol, Zigarettenrauch und breiten Menschen bestanden. 
Am nächsten Tag ging ich wieder zur Schule, aber Ben sah ich diesmal nicht. Er stand auch in der Pause nicht da, wo ich ihn am Tag zuvor rauchen gesehen hatte und in den Fluren entdeckte ich ihn auch nicht. Natürlich versuchte ich nicht daran zu denken, aber insgeheim hielt ich trotzdem nach ihm Ausschau. Anna sagte mir auch nichts, mit der, und mit sonst keinem aus meiner Klasse, redete ich sowieso nicht. 
Ich war die restlichen Tage der Woche viel alleine Zuhause. Papa war arbeiten, Jamila trieb sich mit irgendwelchen Freunden rum und wo Susan war, wusste ich nie. Oft lag ich in meinem Zimmer auf dem Fußboden und starrte einfach nur an die Decke. So konnte ich gut nachdenken. Ich rauchte sehr viel und dachte darüber nach, wie es sein würde, wenn es jetzt nicht so war wie es war. Außerdem malte ich mir aus, wie ich mit Ben über meine, beziehungsweise unsere, Gefühle reden konnte. In einem knappen Monat war ich schon Achtzehn. Achtzehn verdammte Jahre und ungefähr die hälfte davon war scheiße. Es war eines der seltenen Male, dass ich an meine Mutter dachte. Irgendwie hatte ich ja keine Mutter mehr, ich wusste nicht mal, wo sie wohnte, was sie machte und wie es ihr ging. Und es reizte mich auch überhaupt nicht, das zu erfahren. Hier in Berlin, in einer so vollen Stadt, lebte ich doch lieber, als bei irgendeiner Frau, der ich wahrscheinlich egal war. Ich wusste nicht einmal, ob meine Mutter sich noch in meiner Nähe befand. Vielleicht war ich ihr ja schon öfters begegnet, ohne, dass ich es wusste. Ich hatte so viele Gedanken, an jedem Nachmittag, den ich alleine auf meinem Zimmerfußboden verbrachte. Aber trotzdem füllte das alles nichts, die Leere in mir blieb.
3 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 32
Jamila war Tage nach dem Konzert noch total hibbelig und erzählte fast ohne Punkt und Komma. Ich fand es nicht schlimm, denn die Zeit, die ich mit ihr verbrachte diente so als gute Ablenkung. Susan sagte mir auch, dass ich mich verändert hatte. Dass ich viel mehr redete, aß und lachte, als vorher. Ich gab mein Bestes, aber in manchen Momenten weinte ich, auch, wenn es nicht so heftig war. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich mich vermutlich auch wieder geritzt, denn ab und zu dachte ich daran, aber die anderen waren viel bei mir. 
Am Wochenende, bevor die Schule wieder anfing, lernte ich fast jeden Tag. Ich war wieder viel alleine und ich wollte mich ablenken, außerdem schrieb ich in der ersten Woche eine Klausur und ich wollte gut vorbereitet sein. Meine Stimmung an diesen Tagen war wieder im Keller. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mein Handy wieder aktiviert hatte und nun voll erreichbar war. Die tausend Nachrichten von ihm ignorierte ich, das einzige, was mich verletzte war, dass sich niemand meiner anderen Freunde nach mir erkundigt hatte. Lisa nicht und Tom nicht. Nicht mal Linda hatte eine Nachricht hinterlassen, ich hatte zwar lange nichts mehr mit ihr zu tun gehabt, aber von ihr hätte ich das schon irgendwie erwartet. Es war ihn also völlig egal was mit mir war, und das verletzte mich.
In der Nacht von Sonntag auf Montag machte ich durch. Aber nicht freiwillig. Ich konnte einfach nicht einschlafen. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit über dem nächsten Tag. Schule fing wieder an. Auf die Klausuren war ich gut vorbereitet, aber auf das andere nicht. Ich würde ihn wieder sehen, und das wollte ich nicht. Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, dass es vorbei war. Aber der Gedanke daran, dass ich ihn wiedersehen würde, machte mich total fertig. Wie würde ich reagieren, wenn ich ihn sah? Wie würde sich das anfühlen? Ich schwitzte vor Aufregung und war total gestresst. Ich konnte an nichts anderes denken und kam überhaupt nicht zur Ruhe, was mir am nächsten Tag wohl nicht zu gute kommen würde.
Ich hatte mich auf meinen Platz in der Klasse gesetzt und starrte ins Leere. Die anderen saßen in Grüppchen verstreut und unterhielten sich über die Ferien. Es war irgendwie interessant, dem Durcheinander der Stimmen zuzuhören. Beim Frühstück am Morgen war ich fast eingeschlafen, zum Glück durfte ich wieder Kaffee trinken. Am liebsten hätte ich gebettelt, dass ich zuhause bleiben durfte, aber es hätte nichts gebracht. Ich fühlte mich wie nach einer langen Party Nacht und wünschte es wäre Sonntag und ich könnte im Bett liegen und schlafen. Schon der Gedanke an den Schlaf ließ meine schon super schweren Augenlider noch schwerer werden. 
Die Tür der Klasse ging auf und Anna kam rein. Sie blieb stehen und schaute mich kurz an, dann erinnerte sie sich, dass sie neben mir saß, und ließ sich auf ihrem Stuhl plumpsen. Sie grüßte mich nicht, was komisch war, normalerweise war sie schüchtern, aber nie unfreundlich. Ich grüßte sie aber auch nicht. Die Luft zwischen uns war komisch, und das lag vielleicht daran, dass sie seine Schwester war. Nach einiger Zeit, in der wir uns an geschwiegen hatte, fing sie plötzlich an zu reden. ,,Weißt du", sagte sie. ,,Ben geht's echt scheiße wegen dir. Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, was du getan hast." Mir stockte der Atem. Hatte ich da gerade richtig gehört? ,,Geht's noch? Weißt du, wie scheiße es mir geht? Was mischt du dich da überhaupt ein?!" Ich fing an zu zittern und merkte, wie mir warm wurde. Ich konnte mir irgendwie nicht vorstellen, wir Ben gelitten hatte. Ich war zu dieser Zeit viel zu sehr damit beschäftigt, mich selber wieder hinzukriegen. ,,Er raucht jetzt. Wegen dir anscheinend. Ist es das, was du wolltest?" Mir blieb der Atem weg und ich sagte nichts mehr. Die ganze Stunde über konnte ich mich nicht konzentrieren, ich dachte nur an das, was Anna mir gerade erzählt hatte. Ben rauchte also? Als wenn. Das konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Er hatte mir immer gesagt, dass ich stank, wenn ich rauchte. Das passte alles nicht zu ihm. All diese Worte waren, als würde mir jemand wieder diesen Stein auf die Brust schieben, der gerade erst verschwunden war. Das Atmen wurde schwerer und ich musste  aufpassen, dass ich nicht anfing zu heulen. 
Als es zur Pause klingelte, wollte ich nur zwei Dinge. Entweder, in der Klasse bleiben, alleine. Oder, nach Hause fahren und nie wieder kommen. Aber beides ging nicht. Es war uns nicht erlaubt während den Pausen in den Klassenräumen zu bleiben, und nach Hause würde ich jetzt auch nicht kommen. Meine Knochen waren total steif, als ich aufstand um nach draußen zu gehen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit den Schülern mitströmte, die den Weg auf den Pausenhof suchten. Ich bewegte mich nicht, wurde einfach von der Masse mitgezogen. Die Stimmen um mich herum lachten, meckerten und sprachen. Irgendwo dachte ich, ein kleines Kind schreien zu hören, obwohl ich mich an einer Schule befand. Ohne die Dinge wirklich wahr zu nehmen, zog ich an all den Cliquen auf dem Schulhof vorbei, und ging auf meinen Stammplatz, da, wo ich in den Pausen immer rauchte. Ich zündete mir eine Zigarette an und konnte erst nach dem ersten Zug wieder richtig ausatmen. Es tat so gut. Die Zigarette entspannte mich und ich konnte den Rauch in meinen Lungen spüren. Ich konnte nicht aufhören, an Ben zu denken. Das erste mal sagte ich seinen Namen wieder laut in meinem Kopf. Ben. Ich konnte einfach nicht glauben, dass er angefangen hatte zu rauchen. Das musste doch eine Lüge sein. Wieso sollte Ben rauchen? Der, der mir immer versucht hatte zu verdeutlichen, dass Rauchen das absolut widerlichste auf der Welt war. Doch ich hatte nicht wirklich viel Zeit darüber nachzudenken, und ich hatte auch nicht wirklich viel Zeit Angst zu haben, dass ich auf Ben treffen würde. Denn plötzlich stand er vor mir. Seine Gesichtszüge, so schön wie immer. Seine Haare lagen perfekt und ich erinnerte mich wieder an seinen Geruch. Doch trotz seiner Schönheit sah er so leer aus. Seine Augen schienen grau und sein Blick sagte nichts. Er stand an der gegenüberliegenden Wand gelehnt, in der rechten Hand hielt er eine Zigarette. Es war also wahr. 
All der Schmerz kam hoch. All das, was ich geschafft hatte zu verstecken, kam wieder. Es war, als würde ein Kartenhaus in sich zusammen klappen. Die Mauer, die mich vor mir selber schützte, schien brüchig zu sein. Und trotzdem erfüllte mich seine Anwesenheit mit Wärme. Er stand einfach nur da und rauchte. Es war wie ein Feuer, das in mir brannte. Es wärmte, aber es tat weh. Meine inneres schien zu schreien, doch trotzdem konnte ich meinen Blick nicht von ihm wenden. Es war krank. Auch er schaute mich jetzt an. Unsere Blicke trafen sich und es war, als könnte ich so mit ihm kommunizieren. Ich hatte das Bedürfnis zu ihm zu gehen, ihm die Zigarette aus der Hand zu nehmen und zu zertrampeln. Ich wollte noch näher bei ihm stehen. Ich wollte noch einmal wissen, wie es war, wenn er dir gegenüber stand. Zwar konnte  ich mich noch an jede einzelne Berührung erinnern, dennoch wollte ich es wieder wissen. Und als könnte er meine Gedanken lesen, kam er immer näher auf mich zu. Ich konnte merken, wie er sich zusammen reißen musste, und wie viel Mut es kostete, den ersten Schritt zu machen. Ich konnte mich an der Wand anlehnen, die mir Rückhalt gab. Etwa einen Meter vor mir blieb er stehen. 
,,Hi." Sagte er und warf seine aufgerauchte Zigarette auf den Boden. Es stand ihm nicht. Ich sagte eine Weile nichts. ,,Rauchen steht dir nicht." War alles, was ich herausbrachte. ,,Dir auch nicht." Seine Stimme war kratziger als sonst, irgendwie dünner. Das Selbstbewusstsein war nicht mehr zu hören und es tat weh, ihn so zu sehen. ,,Ich versteh nicht, wieso du angefangen hast." Er antwortete eine Weile nicht und auch ich warf jetzt meine Zigarette auf den Boden. Er zog seine Schachtel heraus, die gleiche Marke die ich rauchte. Ich fing an mich schlecht zu fühlen, ich hatte ihn doch nicht etwa zum Rauchen inspiriert? ,,Lass das." Flüsterte ich. Ich wollte seine Hand wegschieben, die mir die Zigarettenschachtel zeigte, aber ich konnte mich nicht bewegen. ,,Es ist nicht so einfach." Sagte er. ,,Was?" ,,Es zu lassen." Ich schüttelte den Kopf. ,,Ach was." Ein schmunzeln zeigte sich in seinem Gesicht und für einen kurzen Moment schien das Feuer in mir schwächer zu werden. ,,Um ehrlich zu sein hab ich nicht angefangen, weil es mich beruhigt, sondern weil ich nicht vergessen wollte." ,,Was wolltest du nicht vergessen?" Er zögerte einen kurzen Moment. ,,Wie du schmeckst." 
Seine Worten waren wie ein Messerstich in die Brust. Wie du schmeckst. Diese Worte wiederholten sich noch tausendmal in meinem Kopf. Ich wusste nicht, ob das unheimlich schön war, oder unheimlich schrecklich. Vermutlich wäre ich am liebsten in seinen Armen zusammen gebrochen, aber niemals hätte ich gedacht, dass er vielleicht derjenige war, der aufgefangen werden musste. Ich hielt es nicht mehr aus. Die Schreie in mir waren kurz davor auszubrechen. Mir war alles egal. Ben, Mathe, Englisch, Deutsch. Ich holte meine Sachen aus der Klasse, und ließ mich von Susan abholen. Im Auto brach die Mauer in sich zusammen und ich in Tränen aus. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 31
Am Tag des Konzerts wachte ich von alleine auf. Die letzten Morgende hatte Susan immer dafür gesorgt, dass ich nicht den ganzen Tag im Bett verbrachte, doch heute wurde ich wach, weil ich ausgeschlafen war. Abends konnte ich immer besser einschlafen, und ich blieb meistens nur noch bis zwei Uhr wach. Ich hatte in den letzten zwei Tagen nur einmal geweint, und meine Brust war viel leichter. Als hätte jemand einen riesigen Stein davon geschoben. 
Papa musste erst später arbeiten, deshalb frühstückten wir alle zusammen. Es war zwar mitten in der Woche, aber es fühlte sich an wie ein Sonntag-Morgen-Frühstück-Mit-Der-Ganzen-Familie. Es war verdammt gemütlich und ich hatte das Gefühl, das wir wirklich eine richtige Familie waren. Waren wir ja eigentlich auch, nur hatte ich mich nie so geborgen gefühlt. Für meine Verhältnisse kam ich richtig gut mit Susan aus, ich schnauzte sie kaum noch an und hörte ihr zu, wenn sie mit mir redete. Manchmal tat ich auch die Dinge, die sie mir sagte. Zwar nur manchmal, aber immerhin. Ich öffnete mich ihr gegenüber zwar noch nicht, aber ich gab ihr die Chance Teil meines Lebens zu sein und ich spürte, dass sie das merkte. Sie gab sich richtig viel Mühe und ich hatte das Gefühl, dass ich gebraucht wurde. 
Meine kleine Schwester war an diesem Morgen richtig hibbelig. Klar, es war der großer Tag, auf den sie sich so gefreut hatte, aber ich hatte das Gefühle, dass sie die ganze Nacht Energiedrinks getrunken hatte und auf irgendeiner Droge war. Sie redete in einer Tour und war total auf Zack, dauernd rannte sie durch die Gegend und ging im Kopf noch mal alles durch. Sie bat mich schon drei Stunden vor Einlass zur Halle zu fahren, aber ich weigerte mich. Was wollte ich so früh da, wenn wir sowieso feste Plätze hatten? Außerdem hatte ich nicht vor zu erfrieren. Es war Anfang April und kalt, dennoch hatten wir Glück, denn es regnete nicht. Jamila machte nach dem Frühstück mindestens hundert mal ihre Haare und kombinierte ihre Justin Bieber T-Shirts mit unterschiedlichen Hosen. Sie suchte sogar in meinem Kleiderschrank nach einem Rock zu dem sie eine Strumpfhose anziehen konnte. ,,Jamila der Kerl wird dich eh nicht zu sehen bekommen. Was meinste' wie viele tausend kreischende Mädchen da sein werden, der wird es nicht hören, wenn du ihn rufst." Sie schaute mich misstrauisch an. ,,Du hast ja gar keine Ahnung. Während des Konzerts geht eine aus seiner Crew rum und sucht ein Mädchen, dass dann bei One Less Lonely Girl auf die Bühne geholt wird, für das singt er dann. Stell doch mal vor, ich werde ausgesucht, dann singt Justin für mich und ich steh neben ihm!!!!" Sie sprang auf und ab und drehte völlig am Rad. ,,Jamila jetzt nerv nicht, sonst geh ich da nicht mit dir hin!" Sofort beruhigte sie sich. Sie atmete konzentriert und verließ mein Zimmer, damit sie keiner Gefahr ausgesetzt war. Natürlich machte ich nicht Ernst, so fies war ich nicht. Es war nur eine ziemliche gute Methode, sie ruhig zu stellen.
Um Siebzehn Uhr war Einlass, um halb Vier saßen wir in der U-Bahn. Jamila hatte Hummeln im Hintern, sie konnte nicht still sitzen. Sie erzählte mir von allem, was sie von Justin Bieber wusste. Ich war schwer beeindruckt, nicht, weil dieser Justin Bieber mich begeisterte, sondern, weil Jamila vermutlich mehr über ihn wusste als über mich. Sie konnte sein Geburtsdatum auswendig, ja sogar über die Uhrzeit wusste sie bescheid. Sie kannte den Namen des Krankenhauses, in dem er geboren wurde und natürlich Vor- und Zuname seiner Eltern. Ich war etwas schockiert und ich fragte mich, ob sie ihren Freunden in der Schule auch so viel erzählte. Aber meine Schwester war im Gegensatz zu mir ziemlich beliebt, deswegen ging ich davon aus, dass sie ihre Fanliebe von ihrem richtigen Leben trennen konnte. 
Als wir an der Konzerthalle ankamen, war die Hölle los. Überall waren kreischende Mädchen und das Konzert hatte noch nicht mal angefangen. Ich musste richtig darauf aufpassen, dass Jamila nicht schreiend weg rannte. Die Erleichterung war groß, als wir endlich in der Halle waren. Ich kaufte mir bevor wir auf unsere Plätze gingen noch eine Cola und Ohrenstöpsel, um auf Nummer sicher zu gehen. Unsere Plätze waren in Ordnung, wir saßen im Unterrang. Zwar nicht direkt vor der Bühne aber die Sicht war völlig in Ordnung. Die Hallo war voll und aus den Vordersten Reihen riefen die Fans 'Justin! Justin! Justin!'. Jamila war natürlich voll dabei, sie stand neben mir, während ich saß und meine Cola trank. Die Stimmung in der Halle überrammte mich und selbst ich war verdammt gut gelaunt und hatte Lust auf das Konzert. Das war mein erstes Konzert und ich war beeindruckt, wie viele Leute sich für eine Person begeistern konnten. Irgendwie tat der Kerl mir aber auch leid, schließlich musste es verdammt schwer sein mit so viel Druck zu leben. Die ganze Welt beurteilte ihn und ich kannte eigentlich niemanden, außer meiner kleinen Schwester, der ihn mochte. Hier hatte ich einige Tausend Fans auf einem Fleck und ich wusste, dass dies nicht sein einziges Konzert in Deutschland war. 
Zuerst kam die Vorband, die ich persönlich nicht so gut fand. Jamila hatte sich hingesetzt und wartete ungeduldig, bis die Vorband von der Bühne verschwand. Als sie endlich fertig waren, wurde das Licht wieder angemacht. Wieder warteten wir. Es dauerte höchstens zehn Minuten, da ertönte ein Knall und ein Countdown von zehn Minuten erschien auf der riesigen LED- Leinwand. Jamila sprang sofort auf und fing an zu kreischen. Ich hatte etwas Angst, dass sie Umfallen würde vor Aufregung. 
Das Konzert hatte ungefähr zwei Stunden gedauert. Jamila war total am heulen, als der Bieber von der Bühne verschwand und sie war nicht die einzige. Tausende Mädchen liefen beim Rausgehen total verheult an uns vorbei. Wir trafen sogar das Mädchen, dass auf die Bühne geholt wurde, sie trug einen Lila Blumenkranz im Haar, den sie aufgesetzt bekommen hatte und Jamila durfte ihn einmal aufsetzen. Ich selbst war nicht so aufgelöst, ich freute mich einfach nur für Jamila. Sie hatte das Konzert wirklich genossen und ich hatte ein paar Videos für sie gemacht. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 30
Ich konnte nicht klar stellen, ob mein Herz extrem schnell schlug oder gar nicht mehr. Alles was ich sah, war die rote Farbe auf meinem Arm. Ich zitterte. Der Schmerz hatte meinen ganzen Arm betäubt, ich spürte nur noch das Pochen in meinem Kopf. Niemand durfte sehen, dass ich mir die Haut aufgeschnitten hatte. Auf keinen Fall wollte ich in irgendeine Klinik, ich wollte kein Sozialfall werden! Mir fiel der Verbandskasten ein, den ich in meinem Kleiderschrank verstaut hatte. Den hatte ich immer verwendet, wenn ich Narben verstecken musste, und ich konnte mich nicht erinnern, dass ich ihn weggeschmissen hatte. 
Ja, ich hatte den Verbandskasten gefunden. Und ja, ich hatte meinen Arm verbunden. Ich hatte einen Pullover angezogen, damit man den Verband nicht sah. Klar schützte er die Narben, besonders die Neue, doch man könnte trotzdem Verdacht schöpfen. Völlig erschöpft von mir selber ließ ich mich auf mein Bett plumpsen. Ich beschloss, das Chaos im Bad nach einer kurzen Verschnaufpause zu beseitigen, eine Pause, in der ich mich kurz von mir selbst Therapieren konnte. Doch ich schlief ein. 
Ich öffnete die Augen, als jemand mir sanft über den Rücken strich. Susan. ,,Melia?" Fragte sie, in ihrer Stimme lag Sorge. Ich atmete kurz ein, und ließ mir all das Geschehene durch den Kopf gehen. ,,Ja?" Meine Stimme war leise und piepsig. Bitte hilf mir, war alles, was mir durch den Kopf ging. Hilfe war genau das, was ich jetzt brauchte. Ich brauchte jemanden, dem ich nicht egal war. Susan packte mich an meinen Armen und zog mich hoch. Ich jauchzte, denn sie fasste an den Arm, mit der Narbe, und es tat schrecklich weh. ,,Was ist im Bad passiert?" Geschockt zeigte sie auf die geöffnete Badezimmer Tür, man konnte die Scherben auf dem Boden sehen, eine Pfütze Wasser und einige winzige Blutflecken. ,,Ich..." stotterte ich, ich wusste nicht, wie ich es sagen sollte. ,,Ich war so sauer, wegen dem Lied. Und dann hab ich meine Vase runter geschmissen und mich dabei an einer Scherbe geschnitten." Sauber gelogen, lobte ich mich, auch wenn ich tief innen nach der Wahrheit schrie. Susan schaute mich misstrauisch an, doch ich hielt ihrem Blick stand. Sie wusste, dass ich mich früher geritzt hatte, doch in eine Klinik würde sie mich trotzdem nicht kriegen. Noch weniger als zwei Monate, dann durfte ich gesetzlich selbst entscheiden. 
Ich saß in der U-Bahn, neben Susan. Sie hatte mich regelrecht aus dem Haus gequält, und ich hatte nichts machen können. Noch bevor wir das Haus verlassen hatten, hatte  sie die Aufräumarbeit in meinem Bad übernommen. Ich lag auf meinem Bett rum und starrte an meine weiße Decke. Als sie fertig war, fing sie plötzlich an, von Abwechslung zu reden, und keine halbe Stunde später stand ich in der kühlen Frühlingsluft von Deutschland. Ich riss mich zusammen, schließlich wollte ich Hilfe annehmen, doch ich wollte nicht zugeben, dass ich sie brauchte. Wir schwiegen. Es war kein unangenehmes Schweigen, aber so wohl wie bei ihm fühlte ich mich bei Susan nicht. Wir fuhren ins Zentrum von Berlin. Susan war auf die ausgezeichnete Idee gekommen, shoppen zu gehen. Und wenn man das in Berlin nicht gut konnte, dann konnte man das nirgendwo gut. Allerdings nahm ich die Dinge nur noch halb war. Ich starrte durchgehend auf eine bestimmte Stelle, und stellte mir vor, wie es war, wenn die Zeit endlich vorbei war. Und wenn sie dann vorbei war, wunderte ich mich, wie schnell sie um ging. Was mich allerdings freute, denn ich wollte ja, dass sie umging. Es war, als würde ich einmal mit den Fingern schnipsen, und schon war die Zeit um. Noch eben saß ich in der U-Bahn, und wartete darauf, dass die Zeit umging, und jetzt stand ich schon im Alexa, und beobachtete die Bürger von Berlin, und die Touristen, die an mir vorbei zogen. Zeit existierte nicht, hatte ich mal gelesen, Uhren existierten, und das stimmte. 
Ich hatte das Gefühl, dass wir jedes Geschäft im Alexa abklapperten. Nach einer Stunde laufen, schummeln und rumstehen hatte nur Susan etwas gefunden. Ich tat auch immer nur so, als würde ich in den Kleiderständern gucken und wenn Susan etwas fand, was ihr an mir gefallen würde, schüttelte ich nur den Kopf. Als wir in einem Vintage Laden waren, fand ich ein Oberteil, das mir gefiel. Ich überlegte, ob ich es anprobieren sollte, schließlich wusste ich nicht, was man von meinem Verband sehen würde, oder ob es schmerzte. Als Susan gerade am anderen Ende des Ladens total desinteressiert an einem der Kleiderständer schaute, schließlich war es überhaupt nicht ihr Geschmack, rannte ich schnell zur Umkleidekabine. Ich biss die Zähne zusammen und zog meinen Pullover aus, ein leises jauchzen entglitt mir. Ich konnte nicht anders, es tat verdammt weh, am liebsten hätte ich laut geschrien, doch ich musste mich zusammen reißen. Ich zog das Oberteil über, es war etwas eng am Arm, schließlich trug ich den Verband, und es tat weh, aber es stand mir! Ich war sehr zufrieden, mit dem, was ich im Spiegel sah, und das war ich beim Shoppen nicht oft. Außerdem sah ich in dem Oberteil nicht so dünn aus, es ließ mich irgendwie kurvig wirken. Wie es mein Glück so wollte, hörte ich plötzlich Susan. ,,Melia? Bist du hier irgendwo?" Ich wusste nicht, ob ich antworten sollte, oder nicht. ,,Äh, ja... bin sofort fertig. Moment." Panisch fing ich an, das Oberteil auszuziehen. ,,Ach, du hast was gefunden! Zeig doch mal her." Ohne jegliche Vorwarnung wurde der Vorhang einen Spalt zur Seite geschoben und Susan steckte ihren Kopf herein. Ich wäre fast ausgerastet. ,,Geh wieder raus!" Zischte ich. Es war das erste Mal, dass ich sie angemeckert hatte, doch es war zu spät. Susan hatte meinen Verband gesehen, und jetzt blieb mir nichts anderes, als zu hoffen, dass sie keinen Verdacht schöpfte. Aber wenn sie nicht doof war, und eins und eins zusammen zählen konnte, wusste sie, dass ich mich nicht nur bloß mit einer Scherbe geschnitten hatte. Im Prinzip stimmte das ja sogar, aber ein gewöhnlicher Schnitt mit einer Scherbe benötigte keinen Verband über den ganzen Unterarm. So normal wie möglich versuchte ich den Vorhang zur Seite zu schieben. Mit dem Oberteil über den Arm gelegt, ging ich nach draußen. ,,Ich kauf mir das." Erzählte ich Susan, die vor der Kabine wartete. Sie schaute ganz normal, vielleicht etwas geschockt, weil ich sie so plötzlich angemeckert hatte, aber sonst konnte ich keine Veränderung an ihr erkennen. ,,Ich zahl das." Wandte sie ein, und ohne dass ich etwas einwenden konnte, nahm sie mir das Oberteil vom Arm und lief zu Kasse. 
Ich bedankte mich, als wir aus dem Laden gingen und lief dann schweigend neben Susan her. Mein Puls war am rasen und meine Gedanken beschäftigten sich nur mit dem Verband. Innerlich hoffte und betete ich, dass Susan mich nicht darauf ansprechen würde. Ich hatte so riesige Angst, dass sie mich in eine Klinik stecken wollte. Susan steuerte auf ein Café zu. Ich atmete auf, keine Umkleidekabinen mehr. Doch dann wurde mir der Sinn eines Cafés bewusst; Unterhaltungen. Ich schluckte. Musste das jetzt sein? Ich wollte doch gar nicht hier sein, ich hatte keine Lust, meine Freizeit mit Susan zu verbringen, lieber lag ich Zuhause im Bett. Im Café steuerte Susan auf den Raucherbereich zu. Es war ein großes Café, im größerem Bereich tummelten sich die Touristen, doch im Raucherbereich war es schön leer. Es stank nach Rauch, doch das war ich gewöhnt. Wir setzten uns an einen Tisch mit einer Bank, nebeneinander ließen wir uns auf die Bank plumpsen. Susan bestellte einen Kaffee und ich ein Wasser, schließlich hatte ich in Susans Anwesenheit Kaffeeverbot. Am Tisch neben uns saß ein Mann, der ununterbrochen rauchte. Mich störte das nicht, aber Susan anscheinend. Sie hustete einige Male und atmete mehr durch ihren Schal, als durch ihren Mund. Langsam fing ich an, nicht mehr an den Verband zu denken, und auch all meine anderen Gedanken konnte ich abschalten. Ich konzentrierte mich, auf das, was Susan mir erzählte und beobachtete die Leute, die um uns herum saßen. Alles lief gut, ich fing an, mit Susan klar zu kommen. Ihre Art und ihre Fürsorge war mir zwar immer noch nicht angenehm, aber von Mal zu Mal wurde es besser. Langsam konnte ich wieder frei atmen. Susan erzählte von ihren Freundinnen, irgendwelche Geschichten von deren Kindern. Sie erzählte von ihrer Jugend, dass ihre Eltern sehr streng gewesen sind und sie Abends kaum raus durfte. Als sie ihren ersten Freund hatte, musste sie den geheim halten, denn ihre Eltern fanden, dass sie zu jung war. All das erzählte sie mir, und noch viel mehr. Ich hörte einfach nur zu, sagte kaum etwas. 
Wir saßen ungefähr eineinhalb Stunden in diesem Café, es war nicht wirklich gut, ich wollte nur nicht einwenden, dass ich kein Bock mehr hatte, denn Susan wirkte zufrieden. Mit der Zeit wurde ich sauer, wie konnte sie so gut drauf sein, und nicht merken, dass es mir reichte? Ich wollte nach Hause. Als keiner von uns was sagte, und Susan nicht auf die Idee kam, zu bezahlen, beschloss ich, zur Toilette zu gehen. Ich musste zwar nicht, aber vermutlich war es nur halb so langweilig, wie die ganze Zeit auf dem selben Fleck zu sitzen. Die Toilette war am anderen Ende des Cafés, das hieß, ich musste mich durch all die Touristen durchschlagen. Sie befand sich im Keller, an der Treppe nach unten hingen Bilder von Großstädten in Deutschland. Unter anderem München, Bremen, Frankfurt und Hamburg. Direkt dachte ich an unsere Stufenfahrt nach Hamburg. Irgendwie war ich da ja mit ihm zusammen gekommen. Ich versuchte auf andere Gedanken zu kommen, aber es klappte nicht. Ich vermisste ihn, und ich war immer noch sauer. Meine Gefühle waren gemischt, wenn ich an ihn dachte. Ich wollte unsere Zeit zurück, ihn aber nicht. Doch am schlimmsten war einfach, dass ich mich nicht mehr dran erinnern konnte, wie es sich anfühlte, glücklich zu sein. 
Nach einer gefühlten Ewigkeit saßen wir endlich wieder in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause. Ich beobachtete die Menschen, die an den Stationen aus und einstiegen, gerne. Wir musste eine Weile fahren und nach kurzer Zeit stieg ein Mädchen ein, sie stellte sich an eine der Stangen und hielt sich daran fest, vermutlich musste sie nicht weit fahren. In der Drogenscene kannte ich mich nicht so gut aus, zumindest nicht in der harten, aber man sah, dass das Mädchen total breit war. Nachdem ich das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen hatte, wusste ich, dass die Drogenscene echt hart war. Die einzige Droge, die ich konsumierte, war Gras, und das nicht regelmäßig. Ich hatte auch die Pilze genommen, von denen ich nicht einmal wusste, was das für welche waren. Tom hatte Freunde, die über einige Ecken Leute aus der Heroinscene kannten, und manchmal erzählten sie ein Bisschen davon. Es gab nicht viel zu erzählen, denn die Heroinsüchtigen hingen meistens nur mit den Leuten ab, die auch Heroin nahmen, deswegen wusste die  Jungs nie alles. Das meiste entnahm man aus dem Internet oder irgendwelchen Zeitungsartikeln. Das Mädchen tat mir leid, ich stellte mir vor, wie sie lebte. Ob sie immer genug Geld hatte, oder ob sie irgendwo anschaffen ging. Plötzlich merkte ich, wie gut ich es doch hatte. Ich war  nie an harte Drogen gekommen, ich hatte zwar nicht die richtigen Freunde, aber sie waren immer noch besser, als richtige Junkies, die mich mit in die Scheiße ziehen könnten. Ich hatte Glück, dass ich in einer vernünftigen Wohnsiedlung in Berlin aufgewachsen war, und nicht in einer der Plattenbauten und Hochhäusern die nie endeten. Irgendwie hoffte ich, dass das Mädchen aus dieser Scene rauskommen würde, als sie die U-Bahn verließ.
Als wir von der U-Bahnstation nach Hause liefen, regnete es in strömen. Wir beide wurden klitschnass, deswegen ging ich zum zweiten Mal an diesem Tag duschen, als ich Zuhause war. Dazu musste ich meinen Verband abmachen, er klebte etwas an den frischen Narben, es tat weh, aber ich biss die Zähne zusammen. Ich fühlte mich wieder schwach, als ich unter dem warmen Wasser stand. Heute war ein anstrengender Tag und ich hatte noch nicht viel Energie, auf jeden Fall fühlte ich mich nicht so. Ich beobachtete, wie das Wasser an meiner Haut herunterlief. Meine Beckenknochen und Rippen waren deutlich zu sehen, es widerte mich an, aber was sollte ich tun? Ich würde mir garantiert nicht das essen in den Mund stopfen, wenn ich es nicht runter bekam. Das heiße Wasser brannte auf meinen Narben, aber ich dachte nicht daran, es kälter zu drehen, denn selbst dann würde es noch schmerzen. Ich duschte schnell, ich wusch mir die Haare nicht mal richtig. Wozu denn auch? Die nächsten Tage würde ich eh zuhause verbringen. Ich hatte noch drei Tage bis zu diesem Konzert, und ich hoffte, dass es mir bis dahin besser ging. 
Ich lag an diesem Abend noch lange wach, wie sonst auch, nur, dass ich müder war als sonst. Meine Narben hatte ich mich Creme eingeschmiert, damit sie schneller verheilten und man sie nicht mehr sah. Ich hoffte einfach nur, dass ich mich nicht noch einmal ritzen würde, aber es kam immer auf die Situation an, und ob ich mich unter Kontrolle hatte oder nicht. Wenn ich irgendetwas hätte, für das ich aufhören könnte, wodran ich mich festhalten könnte, würde ich es tun. Aber da war nichts. Ich war auf mich alleine gestellt, im Kampf gegen mich selber.
In dieser Nacht fing ich an ein Buch zu lesen, es brachte mich in eine andere Welt. In diesem Buch ging es um ein Mädchen, dass nicht mehr leben wollte. Sie hatte viele verschiedene Ansichten vom Leben, manche waren schön und wahr, und manche sehr traurig. Dieses Buch half mir. Ich wollte mir nicht das Leben nehmen, aber dennoch erkannte ich mich in diesem Mädchen wieder. Ich weinte in dieser Nacht nicht. Ich schlief ein, weil ich die Müdigkeit nicht mehr aushielt. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 29
Es waren drei Tage vergangen. Drei Tage voller Gefühlslosigkeit. Ich hatte mich von der Außenwelt abgekapselt. Nachdem ich mein Handy zwei Tage zuvor geladen hatte, und 10 Anrufe in Abwesenheit von Ben hatte, beschloss ich, es auszuschalten und unter meinen Kleiderschrank zu verlegen. Ich wollte mit niemandem reden, und niemanden sehen. Mein Vater brachte mir jeden Abend was zu essen, meistens Pizza. Tagsüber rauchte ich und guckte Serien im Internet. Meine Vorhänge waren zugezogen und gelüftet wurde nur noch, wenn Susan mich Mittags weckte. Meistens blieb ich bis sechs in der Früh wach, weil ich keinen Schlaf fand. Ich heulte mir Nachts die Augen aus, weil mich in der Dunkelheit alle Gefühle überrannten, von denen ich mich Tagsüber ablenken konnte. Ich ernährte mich praktisch nur noch von Kaffee und Pizza. Obwohl ich den ganzen Tag unter meiner Decke lag, fror ich. Geduscht wurde nur noch, wenn die Kälte nicht mehr auszuhalten war. Auf die Wage hatte ich mich noch nicht gestellt, denn ich hatte Angst vor dem Ergebnis. Ich wusste, dass ich abgenommen hatte, aber ich redete mir ein, dass das nicht stimmte. Von meiner Schwester hatte ich schon bevor ich noch nicht bei Ben geschlafen hatte nichts mehr gesehen, ich hörte nur noch, wie sie ihre Musik hörte und sich auf das verdammte Konzert freute. Nächste Woche stand es an, und ich wusste einfach nicht, wie ich es überleben sollte. Klar, gegen das Gekreische konnte man was machen, aber gegen meine Schwäche nicht. Mir wurde sogar schwindelig, wenn ich aufstand, um auf Toilette zu gehen.
Ich vermisste ihn. So sehr. Es tat weh. Ich schaute nicht mal mehr in den Spiegel, weil mein blondes Haar, durch das er gestrichen hatte, mich an ihn erinnerte. Außerdem hatte ich jede Nacht denselben Traum. 
Drei unterschiedliche Mädchen. Eins ganz klein und glücklich, ihr blondes Haar ist lang und gesund und in ihrem Gesicht strahlt das junge Leben. Dann ein etwas älteres Mädchen, sie wirkt schüchtern, doch in ihren Augen funkelt etwas, was einem Angst einjagt. Dann das dritte Mädchen, die größte. Sie ist Blond, wie die anderen beiden auch. Viel zu dünn steht sie da. In einer Hand hält sie eine Kippe, in der anderen eine Flasche Schnaps. Unter ihren Augen sind schwarze Ränder und sie sieht geschafft aus, als würde sie jeden Moment umkippen und nie wieder aufstehen. Die drei Mädchen stehen auf einer leeren Straße, es ist Nacht. Plötzlich kommt ein Auto, es hält an, und die beiden älteren Mädchen steigen ein. Doch das kleine Mädchen bleibt stehen, bis das Auto schließlich abfährt, und es alleine in der Dunkelheit stehen lässt. 
Jede Nacht dasselbe. Und jede Nacht wachte ich auf, immer um die gleiche Uhrzeit. Meistens dauerte es eine Weile, bis ich realisierte, dass es nur ein Traum war, und dass er eigentlich nicht schlimm war. Dennoch jagte er mir Angst ein, vor allem die Tatsache, dass ich ihn jede Nacht träumte.
Ich wusste nicht, wie spät es war, doch ich wusste, dass Susan jeden Moment reinplatzen würde, um mich zu wecken. Es machte mir nichts aus. Seitdem sie mit mir geraucht hatte, kam ich besser mit ihr zu Recht. Ich redete zwar nie mit ihr, weil ich nur in meinem Zimmer saß, aber wenn sie mich morgens weckte, verspürte ich nie das Bedürfnis, sie anzuschnauzen. Meine Vermutung bestätigte sich. Gefühlte Sekunden später wurde meine Türklinke runtergedrückt und Susan kam herein. Sie behandelte mich, als wäre alles in Ordnung mit mir. Zwar ließen sie mich den ganzen Tag lang in Ruhe, aber sie redeten normal mit mir. ,,Guten Morgen! Gut geschlafen?" Ich antwortete nicht, sondern drehte mich mit dem Kopf zur Wand. Ich hörte, wie sie zu meinem Fenster ging, die Vorhänge aufzog und das Fenster sperrangelweit öffnete. ,,Wenn du Kaffee trinken willst, musst du ihn dir selber machen." Das sagte sie jeden morgen.
Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich mich aus dem Bett bewegen konnte und ihn die Küche ging, um mir einen Kaffee zu machen. Ich trug eine lange, warme Jogginghose und den dicksten Pullover, den ich besaß. Trotzdem fror ich. Susan saß am Tisch, als ich in der Küche saß. Das tat sie sonst nie. Ich sagte kein Wort, sondern ging zur Maschine, um den Kaffee zu ziehen. ,,Setzt du dich bitte kurz zu mir?" Bat sie mich. Ich seufzte. Ich war nicht in der Laune, mich zu unterhalten, geschweige denn, mich zu ihr zu setzen. Aber ich war zu müde, um irgendeine Diskussion anzufangen, außerdem hätte ich meinen ersten Kaffee eh in der Küche getrunken, um den zweiten  dann mit hoch zu nehmen. ,,Du isst jetzt mal eine Scheibe Toast." Befahl sie, als ich mich auf einen der Stühle plumpsen lies. ,,Seh' ich so aus?" Fragte ich angewidert, als sie mir den Teller mit dem Toast entgegen schob. Es war nicht belegt, nur getoastet. ,,Du hast dich die letzten drei Tage nur von Pizza ernährt, außerdem wundert es mich, dass du noch keinen Koffeinschock erlitten hast." Sie schaute mich ernst an, aber ich schaute weg. ,,Und ich hör dein Husten, wenn du dich Nachts erbrichst." Ich schluckte, das war mir extrem unangenehm. Ich erbrach mich jede Nacht. Immer wenn meine Tränen nicht mehr liefen, weil ich keine mehr hatte, wurde mir schlecht und ich musste mich übergeben. Es war immer dasselbe. ,,Wenn das so weiter geht, dann steck ich dich in eine Klinik oder so. Ich weiß nicht, was der Kerl mit dir angestellt hat, aber er hat dich verändert. Positiv, als auch negativ. Entweder du kommst alleine zurück auf den Boden, oder ich hol dich runter. Der Kaffee wird gestrichen-" ,,Aber dann penn ich ein!" Unterbrach ich sie mit meiner kratzigen Stimme. ,,Das ist mir egal. Ich sehe hier nicht zu, wie deine Augenringe bis nach Amerika wandern! Dein Vater kümmert sich auch nicht, der ist mit der Situation überfordert. Dir ist alles egal geworden, deine Familie, deine Gefühle und vor allem deine Gesundheit. Melia, ich weiß, dass sowas scheiße ist, und dass du es nicht leicht hast, aber bitte stell dich nicht selbst an den Abgrund. Du gehst jetzt gleich duschen, und danach kannst du dich meinetwegen wieder ins Bett legen. Aber du lässt Sonne in dein Zimmer, und ab morgen gibt es für dich keinen Kaffee mehr!" Ihr Ansage war lang, und vor allem hart, aber sie war klar. Ich hatte keine Lust irgendwas daran zu ändern, außerdem war es mir egal. Sollten sie doch mit mir machen, was sie wollten. Mir wurde sowieso schon ohne Erlaubnis ein Messer in die Brust gerammt, wieso dann nicht noch ein Schlag auf den Hinterkopf? Man durfte in diesem Haus sowieso nicht leben, wie man wollte. Und so schnell würde ich hier auch nicht rauskommen. Noch knapp zwei Montage, dann war ich endlich Achtzehn. 
Nach der erfrischenden Dusche, die ich nicht nur wegen der Kälte genommen hatte, fühlte ich mich ein minimales Bisschen besser. Da ich meinen Bademantel nicht fand, wickelte ich mir schnell ein Handtuch um und klemmte es an der Seite fest. Ich ging in mein Zimmer, um meine Sachen wieder anzuziehen, als ich plötzlich viel zu laute Musik aus dem Zimmer meiner Schwester hörte. Erst ignorierte ich es, doch dann hörte ich die Zeilen, die ihr Lieblingssänger sang. Ich kannte das Lied zwar nicht, doch Englisch verstand ich sehr gut. 
Have you been drinkin' To take all the pain away?
I wish that I could give you what you deserve
Ich schluckte, und schaute nach draußen. Ich konzentrierte mich auf die grauen Wolken, die am Himmel vorbei zogen. Vermutlich würde es noch regen geben.
'Cause nothing can ever, Ever replace you. Nothing can make me feel like you do, yeah. You know there's no one I can relate to. And know we won't find a love that's so true
Ich zog die Nase hoch, als ich bemerkte, dass mir eine Träne die Wange runterlief. Ich wusste, dass gleich ein Tsunami aus Tränen folgen würde. Aus diesem Grund hörte ich keine Musik, denn jedes mal wenn ich es tat, fing ich an, Gefühle zu zeigen. 
There's nothing like us, There's nothing like you and me, Together through the storm. There's nothing like us, There's nothing like you and me, Together
Mit dem Kloß im Hals und den Tränen im Gesicht rannte ich zu meiner Tür und riss sie auf. ,,MACH DEN SCHEIß AUS!" Schrie ich gegen den Lärm. Alle Gefühle in mir sammelten sich und waren kurz vorm explodieren. Ich atmete schwer und probierte gegen das Schluchzen und Jammern anzukommen, das ich von mir gab. ,,Mach es aus!" Schrie ich wieder, doch sie hörte mich wahrscheinlich nicht. Eine Weile konzentrierte ich mich auf das Schluchzen, damit ich den Text nicht verstand. Ich sackte in mich zusammen und  zog meine Knie an meinen Körper. Wie ein kleines Kind wippte ich schluchzend vor und zurück.
But that is the past now, We didn't last now, I guess that this is meant to be Tell me, was it worth it? We were so perfect. But, baby, I just want you to see...
,,Melia?" Susan stand geschockt am Ende meiner Treppe und schaute hoch. ,,Sag ihr sie soll den Scheiß ausmachen!" Die Worte explodierten aus mir raus, mit meiner letzten Kraft zog ich mich hoch und knallte meine Zimmertür wieder zu. Die Musik verstummte Augenblicklich. Ich spürte die Wut in mir. Wieso benahm ich mich wie ein kleines Kind?! Mich hatte doch nur so ein verdammter Mistkerl verlassen und ich benahm mich, als würde die Titanic vor mir untergehen. Ich rannte ins Badezimmer und krallte mich am Waschbeckenrand fest. Zornig schaute ich mich im Spiegel an, zum ersten Mal. Ich konnte die Wut in meinen Augen sehen, die meine Tränen getrocknet hatte. Ich wollte schreien, doch sie würden mich hören. ,,Wieso? Wieso? Wieso?!" Jammerte ich verzweifelt. Mit meinem linken Arm fegte ich all meine Sachen vom Regal. Die Schminke, der Föhn, Zahnbürste, Zahnpaste, und ein Glas mit Blumen zur Dekoration. Alles landete auf dem Boden und das Glas zerbrach. Das Wasser darin spritzte bis an meiner Füße und die Scherben verteilten sich im ganzen Bad. Ich starrte auf das, was ich gerade angerichtet hatte. Die Wut und der Frust, die sich in mir Breit gemacht hatten, hatten gerade mein Badezimmer verunstaltet. ,,Wieso, man?" Flüsterte ich. Wieso reagierte ich so über? Was war an einer verdammten Trennung denn so schlimm? Jeder der mich hätte sehen können, würde mir sagen, dass ich es übertrieb. Ich sollte die Dinge nicht so ernst nehmen. Immer hin gab es Leute, deren Probleme größer waren als meine. Ich fing wieder an zu schluchzen, und ich konnte es nicht zurückhalten. Ich weinte, weil ich so dämlich war, und so fertig, und weil ich keine Lust mehr hatte auf dieses Theater. Wie konnte ich mich selber in den Griff kriegen? Gar nicht? Ich drehte mich um und schaute ihn den Spiegel. Mein Haar war nass und meine Augen rot. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Ich schaute auf meinen Arm, auf die Narben, die ich mir zugefügt hatte. Ich fing an ruhig zu atmen, aber hörte nicht auf zu weinen. Plötzlich erinnerte ich mich, wie er über meine Narben gestrichen und sie geküsst hatte. Als wären sie etwas wundervolles, als hätte er sie gerne geküsst. Sie waren ein Teil von mir, und er hatte immer gesagt, dass er alles liebte, alles an mir. Ich konnte dem ganzen Druck nicht mehr standhalten, Ich wollte weg von mir selber, weg von den Gedanken. Und ich wollte endlich, dass ich ihn nicht mehr vermisste, wollte, dass der Schmerz aufhörte. Ohne großartig nachzudenken griff ich zu Boden und fischte mir eine der Scherben aus dem Chaos. Ich hatte eine Scharfe erwischt. 
Erinnerungen kamen hoch. Wie ich dasaß, und mir die Haut aufgeschnitten hatte, um  was zu fühlen. Ich hatte wieder das vertraute brennen im Bauch, das ich damals immer gehabt hatte. Ich schaute auf meinen Arm und setzte an. Aber diesmal war es anders, ich zerstörte nur das, was mich zerstört hatte. Dieses Mal tat ich es, um nichts mehr zu fühlen. Mit der Scherbe schnitt ich einmal durch all meine Narben durch, ich fuhr über alle drüber. Es fing an zu brennen und zu schmerzen, ich jaulte leise auf und ließ die Scherbe fallen. Ein langer Kratzer befand sich jetzt auf meinem Arm, und schnell hatte er sich mit Blut gefüllt, das überlief, und sich einen Weg auf meiner Haut suchte. ,,Hilfe." Flüsterte ich. 
2 notes · View notes
ich-schreibe · 11 years ago
Text
Kapitel 28
Das Erbrochene hatte ich weggewischt, es war nicht leicht, denn ich ekelte mich schrecklich davor. Doch jetzt hatte ich es hinter mir. Mit dem Rücken an meine verschlossene Tür gelehnt, rauchte ich eine Zigarette. Mein Zimmerfenster war nicht geöffnet, das hieß alles würde nach Rauch stinken. Doch das machte nichts, denn das würde alle anderen Gerüche vertreiben. Ich hoffte, dass der Gestank des Rauches in alle Fasern meiner Klamotten ziehen würde, und in jedes Möbelstück. Aus diesem Grund rauchte ich eine Zigarette nach der anderen. Vermutlich würden allen anderen Gerüche mich an Ben erinnern, und da er nie geraucht hatte, tat ich jetzt genau das. 
Ich wettete damit, dass meine Augen rot waren, und meine Schminke verschmiert. Doch ich traute mich nicht, in den Spiegel zu schauen. Ich hatte keine Lust zu sehen, wie krank und hässlich ich aussah. Die Musik hatte ich nicht mal angerührt, von vorne rein hatte ich nie wirklich viel Musik gehört, wenn es mir scheiße ging. Ich saß lieber einfach nur rum, und dachte an Sachen die mich ablenkten. Wieso waren Farben Farben? Und wer hat sich ausgedacht, dass blau blau hieß, und nicht rot? All diese unbeantwortbaren Fragen und der Geschmack von Zigaretten lenkten mich ab, und es war gut, denn meine Augen blieben für eine kurze Zeit trocken. 
Als die Uhr an meiner Wand halb eins anzeigte, klopfte es hinter mir an der Tür. Das wunderte mich, denn mein Vater oder Susan kümmerten sich meistens kaum darum, was ich in meinem Zimmer so machte. Mit dem Bisschen Kraft, das ich noch hatte, zog ich mich von der Tür weg, damit sie geöffnet werden konnte. Ich lehnte mich neben die nächste Wand, die mir entgegenkam. Susan steckte ihren Kopf in mein Zimmer, zuerst sah sie mich nicht, denn ich saß fast direkt hinter der Tür. Sie verzog die Nase, denn mein ganzes Zimmer stank nach rauch, dann schaute sie nach rechts und entdeckte mich. Es war, als würden sich ihre Pupillen verkleinern, vor Schreck. „Lieber Gott! Was ist denn mit dir passiert?” Ohne zu fragen kam sie in mein Zimmer rein, erschrocken hielt sie sich die Hand vor den Mund. Ich schaute an ihr vorbei, alles was ich von mir gab war ein Nase-hochziehen. Ich spürte wieder, wie der Kloß in meinem Hals größer wurde, doch ich probierte mich auf die Rauchwolke zu konzentrieren, die ich aus meinem Mund pustete. Ich war froh, dass Susan nicht das Fenster öffnete, obwohl sie da vermutlich den Drang zu verspürte. Es war zwar komisch, dass sie in meinem Zimmer stand, und ich hatte auch keine Lust auf sie, aber ich hatte jetzt sowieso nicht die Lust und Kraft, mit ihr einen Streit anzufangen. Selbstbewusst, wie sie war, ließ sie sich neben mich plumpsen. Ich drehte meinen Kopf nach links, und schaute gegen die weiße Wand, damit ich Susan nicht angucken musste. „Willst du mir erzählen, was los ist?” Es dauerte eine Weile, bis ich mir eine Antwort überlegte. Hatte Susan das gerade wirklich gefragt? Ich versuchte, an dem Kloß in meinem Hals vorbei zu reden, sonst hätte ich vermutlich angefangen zu heulen. „Interessiert dich doch eh ‘n scheiß.” Meine Antwort war zickig, aber meiner Laune entsprechend war es fair. „Hätte ich dich sonst gefragt?” Sie hatte ja recht, aber vielleicht wollte sie nur die nette Stiefmutter raushängen lassen, vielleicht wollte sie bei mir punkten, sich einfach nur einschleimen. Ich sagte nichts mehr. Wir saßen eine Weile nebeneinander, schweigend. Es war nicht wirklich unangenehm, ich war verdammt gut darin, Dinge oder Leute zu ignorieren. Nach einer Weile griff Susan nach meiner Schachtel Zigaretten, die neben mir auf dem Boden lag, und zog sich eine raus. Sie nahm das Feuerzeug, das ebenfalls auf dem Boden lag, steckte sich die Kippe in den Mund, und zündete sie an, so als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Ich war ziemlich erstaunt, deswegen starrte ich sie vermutlich auch mit offenem Mund an. „Guck nicht so”, sagte sie, als sie nach dem ersten Zug anfing zu husten. „Ich hab halt lange nicht mehr geraucht.” „Du hast mal geraucht?” Fragte ich jetzt, in einem ganz normalen Ton. „Jap, ich hab mit fünfzehn angefangen, und mit knapp dreißig aufgehört, zum Glück. Ich versteh auch gerade nicht, wieso ich wieder danach greife.” Sie schüttelte den Kopf und fing an zu puffen. Ich drückte meine Zigarette in den fast vollen Aschenbecher neben mir, und stellte ihn dann zu Susan. Ich hatte keine Lust mehr, noch eine zu rauchen, vor allem fühlte es sich komisch an, neben der rauchenden Freundin meines Vaters zu sitzen, die ich eigentlich hasste. „Hast du das alles heute schon geraucht?” Ein bisschen geschockt sah Susan schon aus, als sie fragend auf den vollen Aschenbecher zeigte. Ich nickte, keine Reue oder so. Es war halt wie es war, ich rauchte viel, mit Ben und ohne Ben. Und heute rauchte ich besonders viel, denn heute war ein besonderer Tag. Ich war wieder die alte Melia. 
1 note · View note